"In Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung miteinander leben"

Nachricht 29. Juni 2017
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Symbolbild. Bild: Andrea Enderlein/epd-bild

Hannover/Braunschweig. Evangelische Bischöfe aus Niedersachsen begrüßen eine mögliche "Ehe für alle". "Menschen leben nicht nur in der Ehe zwischen Mann und Frau, sondern auch in anderen Beziehungsformen in Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung miteinander", sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister am Mittwoch.

Auch der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns betonte, die Kirche setze sich für den Abbau von Diskriminierungen ein. "Deswegen können wir das Bemühen des Staates unterstützen, homosexuelle Paare mit Paaren von Mann und Frau rechtlich gleichzustellen." Der Bundestag wird am Freitag über die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben abstimmen.

Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen ermöglichen bisher Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare. Die Unterschiede zur kirchlichen Trauung sind dabei verschieden stark ausgeprägt. Auch ist es in der Regel den Pastorinnen und Pastoren freigestellt, ob sie die Segnung halten oder an eine andere Gemeinde abgeben wollen.

Die hannoversche Landeskirche stellt Meister zufolge eingetragene Lebenspartnerschaften genauso unter "Gottes Wort und Segen" wie die Ehen zwischen Mann und Frau. In den zentralen Elementen wie einem gegenseitigen Treueversprechen oder dem Ringwechsel unterschieden sie sich nicht von einer Trauung. "Wenn der Bundestag die Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften öffnet, werden wir die Bezeichnung des Segnungsgottesdienstes anpassen, denn nach evangelischem Verständnis segnet die Kirche eine staatliche vollzogene Trauung."

Auch die oldenburgische und braunschweigische Kirche ermöglichen Segnungsfeiern. In Oldenburg sind nach einer auf einen Synodenbeschluss von 2004 zurückgehenden Handreichung aber zum Beispiel ein Trauversprechen und ein Ringtausch nicht vorgesehen. Auch in der braunschweigischen Kirche unterscheide sich die Andacht von einem offiziellen Trauungsgottesdienst, der auch im Kirchengesetz verankert sei, sagte Kirchensprecher Michael Strauß.

Dass die Änderung staatlicher Gesetze auch zu Veränderungen in der Kirche führt, hält Strauß für nicht ausgeschlossen. Grundsätzlich bedeute die Trennung von Staat und Kirche zwar, dass ein Einfluss auf kirchliche Gesetze nicht zwingend sei. Allerdings hätten die Kirchen ihre Haltung gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren bereits in den vergangenen Jahren verändert, sagte Strauß. "Aus meiner Sicht wird ein neuer Diskussionsprozess eröffnet." Auch der oldenburgische Kirchensprecher Hans-Werner Kögel hält erneute Diskussionen in der Synode seiner Landeskirche für möglich.

In der Bremischen Evangelischen Kirche und der Evangelisch-reformierten Kirche entscheiden die Gemeinden selbst, wie sie das Thema handhaben. In Bremen sind gleichgeschlechtliche Trauungen "weder erlaubt noch verboten", sagte Kirchensprecherin Sabine Hatscher. In der bremischen Kirchenverfassung ist die sogenannte "Glaubens-, Lehr- und Gewissensfreiheit" verankert, die es den Gemeinden ermöglicht, theologische, weltanschauliche oder pädagogische Fragen eigenständig zu regeln.

Auch bei den Reformierten entscheidet der Kirchenrat jeder einzelnen Gemeinde, ob gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden. Auf der kommenden Synode im Herbst solle über eine neue Trau-Agenda entschieden werden, sagte Kirchensprecher Ulf Preuß. Diese sehe unter anderem vor, keinen Unterschied mehr zwischen hetero- und homosexuellen Partnerschaften zu machen und Trauungen in das Kirchenbuch einzutragen. Es werde aber dabei bleiben, dass die Kirchengemeinde vor Ort entscheide.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen