Oldenburger Kirche steht vor drastischen Kürzungen

Nachricht 12. Juni 2017

Ahlhorn/Kr. Oldenburg. Die oldenburgische Kirche hat einen drastischen Sparkurs eingeschlagen. Die in Ahlhorn tagende Synode beschloss am Sonnabend zum Abschluss ihrer dreitägigen Frühjahrssitzung, alle Arbeitsfelder der Kirche einer Aufgaben- und Ausgabenkritik zu unterziehen. Ohne Kürzungen und Konzentrationen werde der Haushalt bis zum Jahr 2030 ein Defizit von 130 Millionen Euro aufweisen, sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses, Manfred Pfaus.

Bis zum Frühjahr 2018 sollen nun eine Gesamtschau der kirchlichen Arbeit erstellt und Prioritäten festgelegt werden. Nur so könne die Synode verantwortbare Beschlüsse für die Zukunft fassen, hieß es.

Der Oberkirchenrat hatte bereits am Freitag einen "Werkstattbericht" mit gravierenden Sparvorschlägen vorgelegt. Viele Synodale kritisierten, dass demnach nur in bestimmten Bereichen gestrichen werden soll. Unter anderem wurde eine Kürzung des Jugendbereiches um 50 Prozent vorgeschlagen.

Der Synodale Alexander Wiebe warf als Reaktion dem Gremium eine "ungenügende" Leistung vor. Im "Gemeinsamen Kirchenausschuss" von Oberkirchenrat und Vertretern der Synode gebe es über den Werkstattbericht einen grundsätzlichen Dissens zwischen den Hauptamtlichen und den synodalen Vertretern. Einzelne Synodale lobten dagegen die Arbeit des Gremiums, das in kurzer Zeit harte Entscheidungen getroffen habe.

Bischof Jan Janssen, Vorsitzender des Oberkirchenrats, lobte die Reaktion der Synodalen. Die Delegierten hätten sich kritisch-konstruktiv mit den bewusst schmerzhaften Vorschlägen auseinandergesetzt. Es gehe nun um eine "Modifikation".

Das Kirchenparlament beauftragte die Kirchenleitung, neue Stellenpläne für Pastoren, Diakone und Kirchenmusiker zu erstellen. Außerdem soll das Bauwesen der Kirche neu konzipiert werden. Der Bedarf an Gebäuden, ihre Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit soll überprüft werden. Die Nutzung der Liegenschaften soll professionalisiert werden, um die Erträge zu steigern und Kosten der Verwaltung zu reduzieren.

Zur oldenburgischen Kirche zählen 116 Gemeinden zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen. Ihr gehören knapp 424.000 Mitglieder an.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Weil: Kirche und Staat müssen gemeinsame Werte verteidigen

Ahlhorn/Kr. Oldenburg. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat an die Kirchen in Land appelliert, die gemeinsamen Werte zusammen mit dem Staat gegen Populisten zu verteidigen. Im Kern verbinde das christliche Menschenbild und die vom Grundgesetz garantierte Würde des Menschen Staat und Kirche, sagte er am Freitag als Gast der in Ahlhorn tagenden Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Die Kirche biete in der Gesellschaft eine wichtige Orientierung, die weit über die reinen Kirchenmitglieder hinausreiche.

Weil warnte vor einem wachsenden Populismus, wie er beim US-Präsidenten Donald Trump oder dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sichtbar werde. Auch in Deutschland sei ein Zuwachs bei der AfD zu beobachten. Dieser Populismus mache kleine Gruppen für große Probleme verantwortlich. Damit würden die "Kernelemente europäischer Werte" infrage gestellt. Dem entgegenzuwirken sei eine gemeinsame Aufgabe von Staat und Kirche. Die Kirche sei mit ihren Überzeugungen vom Wert des Menschen, der Nächstenliebe und der gemeinsamen Verantwortung vor Gott "der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält".

Weil dankte für das große Engagement gerade der evangelischen Kirche bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise im Herbst 2015. Der Staat allein sei damals hoffnungslos überfordert gewesen. Es sei den vielen Hunderttausend Ehrenamtlichen zu verdanken, dass die Flüchtlinge aufgenommen werden konnten. "Ich habe das nicht vergessen." Weil rief die Kirchen auf, in ihrem Engagement für die Integration der Flüchtlinge nicht nachzulassen. "Ich halte es für notwendig, dass die Kirche damit fortfährt."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

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