Landesbischof Meister: Kirchen sind große Demokratie-Verteidiger

Nachricht 28. März 2017

Hannover/Tutzing. Die Kirche gehört laut dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister zu den größten Verteidigern der Demokratie in Europa. Auch wenn die Kirchen die meiste Zeit ihrer Existenz in nicht-demokratischen Staatsformen verbracht hätten, befürworteten sie heute einhellig die Demokratie, sagte der evangelische Theologe am Freitagabend in Tutzing. Politiker und Kirchenvertreter diskutierten bis Sonntag während der Frühjahrstagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing unter dem Titel "Krise der Parteiendemokratie? Krise der Volksparteien?".

Die freiheitliche Demokratie und der christliche Glaube hätten zentrale Gemeinsamkeiten, sagte Meister weiter. So sei laut Artikel 1 des Grundgesetzes die Würde des Menschen unantastbar. Dies entspreche der theologischen Ansicht, dass der Mensch Ebenbild Gottes sei. Auch die Grund- und Menschenrechte fänden sich im Christentum wieder. So entspreche etwa das Recht auf Religions- oder Meinungsfreiheit dem christlichen Menschenbild.

Meister betonte, die Kirche habe zwar Anteil am demokratischen Diskurs, mache aber selbst keine Politik. Sie sei vielmehr eine "unterstützende Nachdenklichkeit". Dennoch gebe es Situationen, in denen eine "prophetische Stimme der Kirche" zwingend notwendig sei - so wie etwa in der Wendezeit 1989/90 oder während des NS-Regimes: "Christen haben Verantwortung für die politische Gestaltung einer Demokratie."

In diesem Zusammenhang treibe derzeit alle Landeskirchen die Frage um, wie sie mit der rechtspopulistischen AfD umgehen sollten, sagte Meister. Eine AfD-Mitgliedschaft allein dürfe jedenfalls kein Kriterium sein, jemanden von Kirchenvorstands- oder Kirchengemeinderatswahlen auszuschließen. Vielmehr müssten alle Bewerber gefragt werden, ob sie ein friedliches Miteinander und Respekt gegenüber dem jeweils Anderen vertreten. Bei der AfD sei man bei diesen Fragen allerdings besonders aufmerksam, weil es öffentliche Äußerungen von AfD-Spitzenvertretern gebe, die "nicht kompatibel mit dem Evangelium seien", sagte Meister.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen