Torte in der Höhle der Löwen

Nachricht 27. März 2017

Hildesheim. Katrin Bode ist im dritten Tortenjahr. Heute ist sie trotzdem aufgeregt. Zu ihrem Projekt „Torte im Park“ gehört es sowieso dazu, dass die Diakonin nie weiß, was der Tag so bringt. Heute sind aber schon die Vorbereitungen anders. „Ich bin es eben nicht gewohnt, dass mich jemand filmt“, lacht sie. Ein Kameramann vom Mediendienst der evangelischen Jugend Bramsche folgt ihr auf Schritt und Tritt. Denn demnächst wagt sich Bode in die Höhle der Löwen.

Diese ist in Berlin, am Alexanderplatz direkt beim Fernsehturm. Der evangelische Kirchentag bringt die Raubtiere mit. „Die Höhle der Löwen“ ist eine populäre Fernsehsendung. Junge Unternehmer präsentieren ihre Ideen einer Gruppe von Investoren und hoffen auf finanzielle Unterstützung. Dieses Konzept hat sich der Kirchentag zum Vorbild genommen. Projekte aus allen Landeskirchen präsentieren sich dort am 26. Mai einer Jury und dem Publikum. Bode und ihre „Torte im Park“ ist die einzige Einreichung aus der Landeskirche Hannovers. Für die Präsentation braucht sie den Film.

Deswegen eröffnet sie die Torten-Saison in diesem Jahr etwas früher als geplant. Sie beginnt ihr Picknick-Projekt aber trotzdem dort, wo es immer losgeht, nämlich im Magdalenengarten in Hildesheim. Bei wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein platziert die Mitarbeiterin des evangelischen Kirchenkreisjugenddienstes eine Erdbeersahnetorte in dem Pavillon in der Mitte des Gartens. Die ersten Gäste machen es sich schon auf den Bänken bequem, angeschnitten wird aber erst um 14 Uhr. Bis dahin tragen Bode und ihre HelferInnen acht Kannen Kaffee, vier Kannen Tee, zahlreiche Teller, Becher und Gabeln heran. Zur Torte gesellen sich außerdem noch ein Maulwurfs-, ein Marmor- und ein Käsekuchen. „In zwei Stunden ist davon nichts mehr übrig“, schätzt Bode aus Erfahrung.

Ihre Idee ist einfach. Sie geht mit Leckereien in einen Park, um den Menschen eine Freude zu machen. Jeder, der möchte, ist eingeladen – gerne auch zu verweilen und sich zu unterhalten. Seit sie 2015 zum ersten Mal loszog, hat sich eine treue Stammkundschaft gebildet, aber es liegt in der Natur der Sache, dass jedes Mal neue Menschen teilhaben. Zum ersten Mal ist beispielsweise Sabine Howind dabei. „Ein Stück Torte ist natürlich nicht uninteressant“, schmunzelt sie, „aber sich dabei mit netten Menschen in der Sonne zu unterhalten, macht das zu einer perfekten Wochenendbeschäftigung.“

Zu den Stammgästen gehört hingegen Heidemarie Zentgraf. Neben Backwerk und Gesellschaft schätzt sie die Orte, zu denen Bode mit ihrem Tortenwagen führt. „Den Friedrich-Nämsch-Park kannte ich vorher nur vom Durchgehen und mag ihn jetzt sehr.“ Ihre schönste Erinnerung mit dem Projekt knüpft sie jedoch an den Ehrlicher-Park. „Jemand hatte seine Gitarre dabei, und Frau Bode hat alle Menschen vom anliegenden Spielplatz dazu geholt, das war ein besonderes Erlebnis.“

„Die Leute gehen mit einem besseren Gefühl nach Hause, deswegen mache ich das“, strahlt Bode. Die Reise nach Berlin, selbstverständlich mit einer Torte, ist eher das Sahnehäubchen. Wie hoch das Preisgeld ist, weiß sie nicht. Ist ihr auch nicht wichtig. Die Menschen, die Torte und der Sonnenschein sind entscheidend. Im Mai ist sie noch einmal ohne Filmteam im Magdalenengarten, dann geht es in den Ehrlicher-Park und in die Steingrube. Immer im Schlepptau: Der Bollerwagen mit Geschirr und Leckereien. Da hinein würde sie ihr Preisgeld investieren. „Bisher ist der geliehen, ein eigener mit ‚Torte im Park‘-Aufdruck wäre toll.“

Björn Stöckmann/kultundkom