Aussicht auf Weltkulturerbetitel für Schnitger-Orgeln gering

Nachricht 07. März 2017
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Die Arp-Schnitger-Orgel in Grasberg bei Bremen gehört zu den am besten erhaltenen Schnitger-Orgeln weltweit. Bild: Arp-Schnitger-Gesellschaft Grasberg e.V.

Hannover. Um dem Schaffen des Orgelbauers Arp Schnitger (1648-1719) auch international mehr Geltung zu verschaffen, setzen sich Schnitger-Vereine und evangelische Kirchen dafür ein, dass sein Werk anlässlich seines 300. Todesjahres 2019 in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen wird. Die Landtagsfraktionen von CDU, SPD, FDP und den Grünen unterstützen dies mit einem Entschließungsantrag. Bei einer Anhörung dazu im Wissenschaftsausschuss des Landtages machte sich am Montag allerdings Ernüchterung breit.

Die Kriterien seien nicht erfüllt, sagte die Unesco-Beauftragte für Deutschland, Birgitta Ringbeck. Der Titel werde an Baudenkmäler, architektonische Ensembles, an Kulturlandschaften oder archäologische Stätten vergeben. Der Antrag habe nur dann Aussicht auf einen Erfolg, wenn er in einen architektonischen Zusammenhang gestellt werde. Hier müsste eine Lücke gesucht werden. Allerdings seien kirchliche Welterbestätten bereits überrepräsentiert. Die Vorschlagsliste für deutsche Weltkulturerbestätten sei zudem bereits so lang, dass voraussichtlich bis 2020 keine weiteren aufgenommen würden.

Der Vorsitzende der Arp Schnitger Gesellschaft in Brake, Pastor Helmut Bahlmann, hob die Bedeutung der Region an der niedersächsischen Nordsee als "reichste Orgellandschaft der Welt" hervor. Schnitger sei dabei die "überragende Figur". Der aus der Wesermarsch stammende Schnitger gilt als berühmtester Orgelbaumeister des norddeutschen Barock.

Musikwissenschaftler sehen in ihm den ersten europäischen Orgelbauer, weil er seine Orgeln auch exportierte. Etwa 170 Instrumente hat er neu gebaut, wesentlich umgebaut oder im größeren Umfang repariert. Ein Schwerpunkt seiner Schaffenskunst liegt dabei in Kirchen an der niedersächsischen Nordseeküste bis in die Niederlande hinein. Weltweit gebe es auch Nachbauten von Schnitgerorgeln, sagte Thomas Albert vom Bremer Verein "Arp-Schnitger-Kulturerbe". Bis heute zögen seine Instrumente Musiker etwa aus Asien und den USA nach Norddeutschland, erläuterte der Musikprofessor.

Bei der Anhörung machte sich unter anderen die geschäftsführende Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Andrea Radtke, dafür stark, weiter nach Wegen für eine Anerkennung der von Schnitger geprägten Orgelbaukultur zu suchen. Die evangelisch-reformierte Präses Hilke Klüver unterstrich, das Jubiläumsjahr 2019 sollte genutzt werden, um diesen Schatz zu würdigen.

Die Unesco-Beauftragte Ringbeck machte Mut zu weiteren Überlegungen. Infrage käme möglicherweise auch eine Bewerbung für das Europäische Kulturerbe-Siegel. Der Landtag wird sich erneut mit dem Thema befassen.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen