Zentralrats-Präsident Schuster warnt vor wachsendem Antisemitismus

Nachricht 22. Februar 2017

Hannover. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat vor einem wachsenden Antisemitismus gewarnt. Die Gesellschaft dürfe die Entwicklungen am rechten Rand nicht auf die leichte Schulter nehmen, mahnte Schuster am Dienstag im niedersächsischen Landtag: "Gerade weil die NPD nicht verboten wurde, sind jetzt der Staat und die Zivilgesellschaft gefordert, Antisemitismus und Rechtsextremismus zu bekämpfen. Initiativen gegen Rechts brauchen unsere ideelle und finanzielle Unterstützung." Dazu komme Judenfeindlichkeit unter Muslimen, die ebenfalls thematisiert werden müsse.

"Die jüdische Gemeinschaft lehnt jede Form von Islam-Feindschaft ab", betonte der Zentralratspräsident. "Zum Antisemitismus, den es unter Muslimen gibt, können wir dennoch nicht schweigen." Schuster sprach am Abend im Rahmen der Reihe "Parlamentsleben", zu der er von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) eingeladen worden war. In jüngster Zeit breite sich ein Gefühl der Unsicherheit in der jüdischen Gemeinschaft aus, sagte er. "Bei uns blinkt inzwischen immer mal wieder ein Warnlicht."

Zwar stünden derzeit die Muslime stärker im Fokus. "Sie müssen vielerlei Arten von Anfeindungen ertragen, was absolut inakzeptabel ist." Der Antisemitismus sei damit aber nicht verschwunden, betonte Schuster. "Wer denkt, den alten, klassischen Antisemitismus oder die alten Vorurteile gegen Juden gäbe es nicht mehr, braucht nur ins Netz zu schauen, um eines Besseren belehrt zu werden." Auf seiner Facebook-Seite werde der Zentralrat immer wieder mit Hass-Kommentaren konfrontiert. "Wir löschen übrigens solche Kommentare nicht nur, sondern geben sie an den Staatsschutz weiter."

Die jüdische Gemeinschaft versuche, im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Verhältnisse zu verbessern. Dazu gehöre vor allem der Abbau von Vorurteilen und Halbwissen. Gerade die beiden großen christlichen Kirchen seien bei der Aufklärungsarbeit wichtige Helfer. "Ohne, dass ich unsere Unterschiede verwischen möchte, kann ich sagen: Aus früheren Feinden sind Partner geworden." In kritischen Situationen seien es häufig die Kirchen, die der jüdischen Gemeinschaft als erstes solidarisch zur Seite stünden. "Und auch die derzeitige gesellschaftliche Entwicklung wird von den Kirchen mit ebensolcher Sorge betrachtet wie bei uns."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen