Islam-Beauftragter kritisiert Stigmatisierung von Migranten

Nachricht 20. Februar 2017
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Wolfgang Reinbold

Braunschweig. Der Islam-Beauftragte der hannoverschen Landeskirche, Professor Wolfgang Reinbold, hat kritisiert, dass Migranten und ihre Kinder in Deutschland noch viel zu oft als "Ausländer" wahrgenommen würden. Wer einen ausländisch klingenden Familiennamen und womöglich noch dunkle Haare habe, werde von vielen nicht als Deutscher angesehen, sagte der evangelische Theologe am Sonnabend am Rande einer Tagung des Niedersächsischen Integrationsrats in Braunschweig dem epd. In den vergangenen Jahren sei dafür ein neues Wort entstanden, das sich derzeit "wie eine Epidemie" verbreite: "Bio-Deutsch".

Das Wort werde oft halb im Spaß verwendet, um die, die immer schon Deutsche waren, von denen zu unterscheiden, die erst vor einigen Jahren oder Jahrzehnten deutsche Staatsbürger geworden seien. "Dabei ist das kein Spaß", betonte Reinbold. "Bio" klinge zwar harmlos: "Aber es ist dasselbe, das man früher 'Rasse' nannte." Wer so rede, spiele unbewusst denen in die Hände, die heute das "Völkische" wieder salonfähig machen wollten.

Die Integration sei eine "gewaltige zivilgesellschaftliche Aufgabe", für die es keine einfachen Lösungen gebe, sagte Reinbold, der auch dem Trägerverein des "Hauses der Religionen" in Hannover vorsteht. Ein möglicher Baustein dafür sei, den interreligiösen Dialog weiter zu fördern. Bundesweit gebe es mittlerweile zahlreiche Großstädte, die einen "Rat der Religionen" gegründet hätten. Darin liege eine große Chance. Die Bürger müssten erkennen, dass Deutschland nicht mehr nur evangelisch und katholisch geprägt sei.

Der Integrationsrat vertritt eigenen Angaben zufolge die Interessen aller zugewanderten Bevölkerungsgruppen auf Landesebene. Die Tagung stand unter dem Schwerpunktthema "Integration, Vielfalt und Religion".

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen