Historikerin sieht Luthers ruppigen Umgangston als "Sprache der Zeit"

Nachricht 06. Februar 2017
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M. Luther

Osnabrück. Die Osnabrücker Historikerin Siegrid Westphal sieht den zuweilen ruppigen Umgangston des Reformators Martin Luther (1483-1546) als "Sprache der Zeit". Luther sei überzeugt gewesen, dass "man dem Volk aufs Maul schauen" müsse, sagte die Direktorin des Institutes für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit der Universität Osnabrück der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Luther setze diese Sprache rhetorisch ein.

"Selbst wenn er Gegner verunglimpft, dazu gelegentlich Tiermetaphern benutzt, ist das ein rhetorisches Stilmittel, das zur Polemik gehört. Und er war ein Meister der Rhetorik", sagte Westphal. Viele hätten in der damaligen Zeit versucht, durch die Anpassung an die Volkssprache Meinung zu bilden.

"Heute verbindet man oftmals Polemik nicht mit Argumenten. Da wird die Beschimpfung zum Selbstzweck", kritisierte Westphal.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen