Auf den Spuren der Reformation: Besondere Stadtführung durch Northeim

Nachricht 26. Januar 2017

Northeim. Treffpunkt Reddersenhaus, wohl eines der ältesten Gebäude Northeims. 45 Teilnehmer sind zur heutigen Stadtführung angemeldet. Bei minus sechs Grad wandeln sie an diesem Abend auf den Spuren der Reformation. In zwei Gruppen aufgeteilt, geht es nach einer kurzen Begrüßung von Stadtführer Klaus Röglin auch schon los: Zu einer spannenden Zeitreise durch die Stadt. Vom vorreformatorischen Münster zur Alten Wache, dem Kalandshaus, dem Corvinushaus, am ersten evangelischen Pfarrhaus und dem Hotel Zur Schere vorbei zum Marienaltar in der Sixti-Kirche. Sieben Gebäude erzählen die Geschichte, wie Northeim evangelisch wurde.

Die zweite Gruppe wird von Kathrin Leunig geführt. Mit ihren 32 Jahren begleitet sie bereits seit 15 Jahren gelegentlich Touristen und Einheimische durch die Stadt und ist derzeit die dienstälteste Stadtführerin in Northeim. „Begonnen habe ich als Schülerin und bin zu meiner ersten Führung mit dem Bus hergekommen“, erklärt sie lächelnd. Und schon naht Station eins: Der Münsterplatz mit St. Blasien. Hier stand früher ein Benediktinerkloster mit der Klosterkirche. Später ließen sich dort Handwerker und Händler nieder. Als die Bürger Mitte des 15. Jahrhunderts planten, die St. Sixti-Kirche als große gotische Hallenkirche neu zu errichten, zog das Kloster nach: die Münsterkirche entstand. „Da die Northeimer sie später eher als Steinbruch nutzten, wurde die Ruine 1733 abgerissen“, führt Leunig aus. Es blieben Sakristei und Archiv - heute St. Blasienkapelle und Trauzimmer - und die Reste des alten Kreuzganges im Bürgersaal.

Weiter geht es auf der Tour zur Alten Wache und der Marktkapelle dahinter, auf deren Fenster die Namen der 16 Hauptgilden angebracht sind. Denn im Mittelalter war Northeim ein lebhafter Platz des Handels und des Handwerks. „Ein Grund, warum sich später die lutherische Lehre unter den Handwerkern so schnell verbreitete“, so Leunig, bevor sie die Gruppe weiter bis zum Nachfolgehaus des sogenannten Kalandshauses führt. Dort übernimmt Superintendent Jan von Lingen das Wort. „Hier wohne ich“, beginnt er und hat damit eine lachende Gruppe für sich gewonnen. „Die Kalandsbruderschaft war eine Verbindung von Weltgeistlichen der umliegenden Dörfer, die gegen Geld Messen abhielten. Im Kalandshaus kamen sie zu regelmäßigen Feiern zusammen. Aus ihrem Vermögen wurde später der erste evangelische Pfarrer in Northeim bezahlt“, erklärt der Superintendent, bevor es am Corvinushaus vorbei zur nächsten Station „erstes Pfarrhaus“ und als krönender Abschluss zum goldenen Marienaltar in St. Sixti geht.

Was genau es damit auf sich hat, welche Rolle der Reformator Corvinus spielte und warum eigentlich eine Frau in der Reformationszeit „die evangelische Kirche pflanzte“, das kann jeder selbst bei einer „Zeitreise zur Reformation“ erfahren - passend zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ in diesem Jahr. So wie die Gruppe Ehrenamtlicher der Sixti-Gemeinde bei diesem Termin. „Ich bin gebürtige Northeimerin - aber auch ich habe noch etwas dazu gelernt“, erklärt eine der Damen begeistert. Und ein älterer Herr ergänzt: „Es ist doch oft so: Die Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Haustür kennt man am Wenigsten.“

Hannelore Timpner, Ephoralsekretärin Superintendentur Leine-Solling

Weitere Informationen

Diese besondere Reformations-Führung ist für Gruppen buchbar bei der Tourist-Information, Am Münster 6, Tel. 05551 / 91 30 66, oder per E-Mail an info@northeim-touristik.de - vom Schmuckstuck an der Decke der St. Sixti-Kirche bis zu „Mönnik, du lügst!“ werden hier viele Anekdoten und Reformationsgeheimnisse um historische Northeimer Gebäude erzählt und gelüftet. Noch zwei weitere öffentliche Führungen sind in den nächsten Monaten geplant.

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