Heimvolkshochschulen wollen auch 2017 Demokratie stärken und Integration fördern

Nachricht 02. Januar 2017
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 Dr. Jörg Matzen; Bild: Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Stade

Geestland/Hannover. Die schulische Inklusion und die Integration Geflüchteter haben die niedersächsischen Heimvolks-hochschulen im zurückliegenden Jahr mehr denn je beschäftigt und werden auch 2017 Schwerpunkte bleiben. In diesen Bereichen habe es einen deutlichen Zuwachs an Fortbildungen gegeben, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Heimvolkshochschulen, Jörg Matzen, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das passe zum Selbstverständnis der insgesamt 23 Häuser: "Das sind Demokratiezentren, die sich der Aufklärung und der Anerkennung des Andersdenkenden verpflichtet haben."

Die niedersächsischen Heimvolkshochschulen organisieren eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als 7.000 mehrtägige Seminare mit rund 146.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die größte Resonanz registrierten die Häuser bei Angeboten der politischen Bildung, gefolgt von Seminaren zur wertorientierten Bildung und zur Qualifizierung für Ehrenämter, erläuterte Matzen. Der 57-jährige Sozialwissenschaftler und Pädagoge leitet seit 1995 das Evangelische Bildungszentrum Bad Bederkesa in Geestland bei Bremerhaven.

Ein großer zusätzlicher Bedarf besteht nach seinen Worten bei Sprachkursen für Flüchtlinge, die von einer Kinderbetreuung flankiert werden. "Dann könnten wir noch mehr Frauen für dieses Angebot gewinnen, das bei der Integration eine zentrale Rolle spielt." Ein Problem seien dabei die Fahrtkosten, die im Zusammenhang mit den Kursen besonders im ländlichen Raum anfallen. Matzen sieht das Land in der Pflicht, hier unkompliziert mehr Geld bereitzustellen: "Wir müssen den Zugang zu den Sprachkursen erleichtern."

Deutlich spürbar sei, dass Fakten in Debatten immer weniger, Emotionen dagegen eine um so größere Rolle spielten. "Das grassierende Gefühl, dass in einer überkomplexen Welt sowieso keiner mehr mit dem Faktencheck hinterherkommt und deshalb aus dem Bauch heraus entschieden wird, verhindert das Gespräch, den Dialog, das Ringen um die richtige Lösung." Dem wollten die Heimvolkshochschulen etwas entgegensetzen. Sie sähen sich durch Wählerinnen und Wählern in Deutschland bestätigt, die Studien zufolge zu 80 Prozent freiheitlich und demokratisch eingestellt seien.

"Diese schweigende Mehrheit braucht Ermutigung durch Menschen, die Gesicht zeigen und die Geschichte einer zukunftsfesten liberalen Demokratie mit Leidenschaft erzählen - und auch durch unsere Tagungshäuser", betonte Matzen. Die Heimvolkshochschulen verstünden Pluralität und Vielfalt als Kernstück des gesellschaftlichen und kulturellen Reichtums.

Die Ausrichtungen der Heimvolkshochschulen in Niedersachsen sind so verschieden wie ihre Trägerorganisationen und Kooperationspartner. Dazu gehören Kirchen, Gewerkschaften, das Landvolk, gemeinnützige Vereine oder Stiftungen. "Uns eint die Überzeugung, dass Bildung mehr ist, als das Anhäufen von Fakten-Wissen", bekräftigte Matzen und fügte hinzu: "Hier geht es auch und besonders um die Bildung und Stärkung der Persönlichkeit."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen