Lüneburger Regionalbischof warnt vor Fundamentalismus

Nachricht 22. Dezember 2016
Dieter_Rathing
Dieter Rathing. Bild: epd-bild/Jens Schulze

Lüneburg. Der Lüneburger Regionalbischof Dieter Rathing hat vor Fundamentalismus und einfachen Antworten gewarnt. Zum Weihnachtsfest werde mit der Szene von Maria, Josef und dem Christuskind im Stall oft die Vorstellung einer kleinen heilen Welt gezeichnet, schreibt der evangelische Regionalbischof in einem Weihnachtsbrief an rund 600 Mitarbeiter seines Kirchensprengels. "Solche Bilder entspringen häuslicher Tugendmoral und einem Ideal von Familie, das mit der Christgeburt nichts zu tun hat."

Auch Fundamentalisten bedienten sich der Sehnsucht der Menschen nach einer heilen Welt, erläutert Rathing. Jede Art von Fundamentalismus beute die Suche nach Geborgenheit aus. "Er macht die Welt einfach, er reduziert sie auf ein binäres System, wo Gut und Böse scharf geschieden sind." Der Fundamentalismus sei die dämonische Seite einer jeden Religion. "Es ist nicht so, dass die Menschen nichts mehr glauben. Im Gegenteil: Sie glauben fast alles - je größer die Ratlosigkeit, umso lieber folgen sie denen, die so tun, als hätten sie den göttlichen Bauplan für die Erlösung der Welt in der Hand."

In den Weihnachtsgottesdiensten würden Pastorinnen und Pastoren auch in diesem Jahr die Verheißung von Frieden auf Erden verkündigen, schreibt Rathing. "Wir tun das im Wissen und im Schrecken über viel 'böse Welt'. In unseren Gebeten werden wir uns für die Menschen öffnen, die darunter leiden und in Not sind."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen