"Etwas völlig Neues" - Flüchtlinge besuchen Christkindpostamt

Nachricht 09. Dezember 2016
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Ortsschild von Himmelpforten bei Hamburg. Bild: Dieter Sell/epd-bild

Himmelpforten/Kr. Stade. Zwar hat das Christkindpostamt in Himmelpforten noch keine Post von Flüchtlingen bekommen, dafür aber Besuch von Asylsuchenden aus dem Iran und aus Syrien. "Es war spürbar, dass das Christkind und der Weihnachtsmann für sie etwas völlig Neues sind", sagte der Leiter des Postamtes bei Stade, Wolfgang Dipper, am Donnerstag dem epd. Besonders die Kinder hätten offen reagiert. "Die Eltern waren verhaltener." Doch der Besuch müsse den Familien gut gefallen haben. Sie seien an den folgenden zwei Tagen nochmals gekommen, um Christkind und Weihnachtsmann zu sehen.

Hubert Weddehage, Chef des Weihnachtspostamtes in Nikolausdorf bei Garrel, hat ebenfalls noch keinen Brief von einem Flüchtlingskind erhalten. Insgesamt sei bisher weniger Weihnachtspost als sonst angekommen, "dafür aber mehr Briefe aus China und Hongkong". Die meisten Kinder geben sich nach seinen Worten große Mühe, dichten, schreiben und malen. Manchmal werde aber auch nur eine ausgerissene Katalogseite mit angekreuzten Wünschen geschickt. Natürlich seien auch wieder traurige Geschichten dabei, etwa weil ein Elternteil gestorben sei.

Briefe von Flüchtlingskindern sind auch im dritten niedersächsischen Weihnachtspostamt in Himmelsthür bei Hildesheim noch nicht eingetroffen. Doch immer mehr Briefe seien mit ausländisch klingenden Namen unterschrieben, berichtete Karlheinz Dünker, Chef in Himmelsthür. "Außerdem schreiben viele Schulen an das Weihnachtspostamt und berichten, aus wie vielen verschiedenen Ländern ihre Schüler kommen, zum Beispiel aus Russland, Frankreich, Syrien oder Afghanistan."

Und auch wenn noch kein vollständiger Gruß auf Arabisch angekommen ist, finden sich auf den Briefen der Schulen zunehmend arabische Zeichen. Ob auf deutsch, arabisch oder chinesisch - eins bleibt gleich: An erster Stelle der Kinderwünsche steht nach wie vor das Smartphone.

Im niedersächsischen Himmelpforten nahm 1962 das erste Weihnachtspostamt Deutschlands die Arbeit auf. In Deutschlands sieben "himmlischen Postämtern" kamen vergangenes Jahr den Angaben zufolge mehr als 600.000 Briefe, Karten und Wunschzettel aus fast 80 Ländern an. Wer rechtzeitig an das Christkind, den Weihnachtsmann und den Nikolaus schreibt, bekommt eine Antwort. Damit das gelingt, sollten die Briefe nach Angaben der Post zehn Tage vor Heiligabend in den Schreibstuben eintreffen.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen