Welt-Aids-Tag: Seelsorger mahnt bessere Hilfen weltweit an

Nachricht 02. Dezember 2016
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Anfang der 1980er Jahre wurde das Red Ribbon, die Rote Schleife, in den USA von Frank Moore und der New Yorker Gruppe AIDS Visual entwickelt. Seit den 1990er Jahren hat sie sich weltweit als Symbol der Solidarität mit Betroffenen durchgesetzt.

Hannover (epd). Anlässlich des Welt-Aids-Tages am Donnerstag haben Experten aus Politik, Kirchen und dem Gesundheitswesen dazu aufgerufen, stärker gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV-Infizierten anzugehen.

Der Aids-Seelsorger der hannoverschen Landeskirche, Axel Kawalla, rief dazu auf, stärker gegen die Stigmatisierung von HIV-Infizierten anzugehen. Noch immer gebe es Vorurteile gegenüber Betroffenen, kritisierte der Theologe bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Kreuzkirche in Hannover. Kawalla mahnte zudem bessere Hilfen weltweit an.

Trotz ausreichender Therapiemöglichkeiten stürben vor allem in südlichen Ländern noch immer Menschen an Aids, sagte Kawalla. Gewalt gegen Frauen sei weltweit die übelste Form, die Infektion weiterzugeben, mahnte der evangelische Pastor. In Südafrika infizierten sich jede Woche rund 2.000 Mädchen und junge Frauen, und zwar kaum durch einvernehmlichen Sex.

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) mahnte an, Menschen mit HIV und Aids respektvoll zu behandeln. "Mit HIV können Betroffene inzwischen ein weitestgehend normales Leben führen."

Ansteckungsgefahren könnten im Alltag ausgeschlossen werden, HIV-positive Menschen seien genauso leistungsfähig wie andere auch, sagte Rundt. Doch noch immer würden Menschen wegen ihrer chronischen Erkrankung ausgegrenzt. Die Furcht vor Diskriminierung erhöhe die Hemmschwelle, überhaupt einen HIV-Test machen zu lassen, sagte Rundt.

"Je früher eine Diagnose bekannt ist, desto effektiver sind die Behandlungsmöglichkeiten." In Niedersachsen lebten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 2015 rund 4.100 Menschen mit HIV und Aids. Für die Präventionsarbeit gibt das Land Rundt zufolge 2017 voraussichtlich rund 1,7 Millionen Euro.

Die Kaufmännische Krankenkasse mit Sitz in Hannover rief dazu auf, dem Thema wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken und bessere Präventionsarbeit zu leisten. Besonders Jugendliche wüssten noch immer erstaunlich wenig über Infektionswege und -risken, sagte ein Sprecher. Experten fürchteten deshalb einen Anstieg der Infektionsrate. Seit 2011 sei die Anzahl der an Aids erkrankten Versicherten um neun Prozent gestiegen, hieß es.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen