Braunschweigische Landessynode: VW-Krise kann sich auf Kirchensteuern auswirken

Nachricht 27. November 2016
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Bild: Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig

Goslar/Braunschweig. Das Kirchenparlament der braunschweigischen Landeskirche hat einstimmig einen doppelten Haushaltsplan für die nächsten zwei Jahre in Höhe von je 95 Millionen Euro beschlossen. Die Landeskirche rechnet im Jahr 2017 und 2018 mit Kirchensteuer-Einnahmen von jeweils 78 Millionen Euro, sagte Oberlandeskirchenrat Jörg Mayer am Freitagabend vor dem in Goslar tagenden Kirchenparlament. Damit seien die Einnahmen im Vergleich zu den Vorjahren nur geringfügig gesunken. Der demografische Wandel und die Krise beim Autobauer Volkswagen könnten sich künftig negativ auf die kirchlichen Steuereinnahmen auswirken.

Der Automobil-Konzern hatte kürzlich bekanntgegeben, in den kommenden zehn Jahren 23.000 Stellen in Deutschland zu streichen. "Für uns als VW-Kernland ist das schlecht", sagte Mayer. Wie sich derartige regionalwirtschaftliche Entwicklungen bei den Kirchen-Steuereinnahmen bemerkbar machten, sei bisher nicht zu beziffern.

Zu einer intensiven Debatte führte bei der Tagung der mögliche Umbau des Theologischen Zentrums in Braunschweig. Die Kirchenparlamentarier stimmten mehrheitlich dafür, zunächst unter Vorbehalt für die kommenden beiden Haushaltsjahre rund 5,2 Millionen Euro zurückzustellen. Eine Entscheidung, ob die Einrichtung überhaupt zu einem Bildungs- und Tagungszentrum ausgebaut wird, soll im November 2017 fallen.

Ein Architektenbüro hatte zuvor für die Einrichtung in der Braunschweiger Innenstadt einen Entwurf erstellt. Demnach könnte ein möglicher Umbau bis zu 13 Millionen Euro kosten. Der Entwurf sieht unter anderem vor, Tagungskapazitäten - auch für die Landessynode - auszubauen. Neben Aus- und Fortbildungen für Haupt- und Ehrenamtliche könnten dort künftig Lehrer religionspädagogisch begleitet werden. Auch für die Vikarsausbildung solle das Zentrum ein zentraler Ort der Landeskirche sein.

Finanzreferent Jörg Mayer warb dafür, sich für die Überlegungen Zeit zu nehmen. Falls der Umbau angegangen werde, sei es das "zentrale Projekt der nächsten eineinhalb Jahrzehnte". Daran entscheide sich auch die Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit der Landeskirche auf längere Sicht. Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer ergänzte, die Landeskirche brauche eine "starke Denkfabrik". Oberlandeskirchenrätin Brigitte Müller sagte, das bisherige Theologische Zentrum sei an einigen Stellen in die Jahre gekommen.

Zahlreiche Landessynodale äußerten dennoch Bedenken, wegen der hohen Kosten. Die Synodale Annette Schwartz mahnte, wenn die Kirchengemeinden in der Fläche Priorität haben sollten, sei dieser Entwurf eine viel zu große Nummer. Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Sebastian Ebel, sprach sich dafür aus, eine neue kirchliche Mitte in der Stadt zu suchen. "Allerdings müssen Kosten und Nutzen vertretbar und in einem guten Verhältnis zueinander stehen." Die Landessynode beschloss, das Konzept künftig in ihren Ausschüssen zu beraten und in einer Begleitgruppe weiterzuentwickeln.

Die Tagung der Landessynode ging am Sonnabend zu Ende. Zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig gehören 385 Gemeinden mit rund 347.000 Mitgliedern im Südosten Niedersachsens und Teilen Sachsen-Anhalts.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen