Kirche unterstützt Diakovere mit 9,5 Millionen Euro

Nachricht 25. November 2016
Bild: Jens Schulze

Hannover. Die hannoversche Landeskirche unterstützt den in finanzielle Not geratenen Sozialkonzern "Diakovere" in Hannover mit 9,5 Millionen Euro. Das beschloss das Kirchenparlament am Freitag in Hannover nach kontroverser Debatte zum Abschluss seiner Herbsttagung. Landesbischof Ralf Meister und Finanzchef Rolf Krämer der mit 2,6 Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland hatten zuvor vehement dafür geworben, "Diakovere" zu helfen. Der Konzern ging aus drei evangelischen Krankenhäusern hervor. Er ist inzwischen das größte Sozialunternehmen in frei gemeinnütziger Trägerschaft in Norddeutschland.

Der Wolfsburger Synodale Hendrik Wolf-Doettinchem sagte zu Beginn der Debatte, er habe erhebliche "Bauchschmerzen", einem Wirtschaftsunternehmen einen derart hohen Betrag zu schenken. Für das Geld könne die Kirche ein Friedenszentrum mit vier Pastoren bauen. Auch andere Mitglieder des Kirchenparlaments äußerten Skepsis. Hannovers Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann betonte demgegenüber, die Diakonie-Krankenhäuser in der Stadt hätten "tiefe kirchliche Wurzeln".

Landesbischof Ralf Meister sagte, diakonische Arbeit sei eine "Wesensäußerung" der Kirche. In der Öffentlichkeit werde die Kirche vor allem über ihre soziale Arbeit wahrgenommen. Finanzchef Rolf Krämer unterstrich: "Wir haben die Chance, ein großes Unternehmen in freier Trägerschaft in unserer Landeskirche zu halten, und das sollten wir uns etwas kosten lassen." Für den Landessynodalausschuss wies der Vorsitzende Jörn Surborg darauf hin, dass die Synode in der Vergangenheit auch anderen diakonischen Einrichtungen in Notlagen geholfen habe.

Nach dem Beschluss des Parlaments erlässt die Landeskirche dem Konzern noch im laufenden Jahr eine Darlehensschuld von fünf Millionen Euro. Weitere 4,5 Millionen Euro sollen 2017 als Zuschuss fließen. Dieses Geld ist jedoch an Projekte mit diakonischem Profil gebunden und mit einem Sperrvermerk versehen. Elf der insgesamt 75 Kirchenparlamentarier stimmten gegen die Finanzspritze, acht enthielten sich.

"Diakovere" ist ein Gesamtunternehmen der Krankenhäuser Annastift, Friederikenstift und Henriettenstift in den Bereichen Krankenhaus, Alten-, Behinderten- und Jugendhilfe sowie Bildung. Der Großkonzern hatte 2015 nach vier Jahren mit Verlusten erstmals wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Unternehmen schiebt jedoch einen großen Investitionsstau vor sich her.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen