Leitende Theologen fordern Widerstand gegen weitere Sonntagsöffnungen

Nachricht 20. November 2016
sonntagsschutz
Symbolbild. Bild: epd-bild/Thomas Rohnke

Emden. Die Konferenz der leitenden Theologen im Evangelisch-lutherischen Sprengel Ostfriesland-Ems hat sich gegen eine Ausweitung der Sonntagsverkäufe ausgesprochen. Landessuperintendent Detlef Klahr und die sechs Superintendenten des Sprengels fordern von den politischen Mandatsträgern, für den Erhalt kultureller Werte einzustehen und sie nicht dem Gewinnstreben einzelner Branchen zu opfern, wie eine Kirchensprecherin am Sonnabend mitteilte.

Der Handelsverband Deutschland hatte bundesweit einheitliche Regeln für verkaufsoffene Sonntage gefordert. "Wir schlagen vor: Bundesweit zehn verkaufsoffene Sonntage mit Öffnungszeiten von 13 bis 18 Uhr, ohne dass es dafür einen besonderen Anlass geben muss", sagte Präsident Josef Sanktjohanser am Mittwoch der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Vorschlag stieß bei den evangelischen Kirchen in Niedersachsen auf Ablehnung.

"Gemeinsame freie Zeit am Sonntag und an Feiertagen ist ein wichtiges Kulturgut unserer Gesellschaft und sollte unbedingt erhalten bleiben", sagte nun auch der Emder Regionalbischof Klahr. Mit der Ausweitung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag würde ein weiteres Stück der Kultur dem Kommerz geopfert, protestierten die leitenden Theologen in der Region: "Es erscheint uns zutiefst fragwürdig, dass der Sonn- und Feiertagsschutz des Grundgesetzes mehr und mehr den kommerziellen Interessen der Wirtschaft geopfert werden soll."

Die leitenden Geistlichen weisen darauf hin, dass in Niedersachsen bereits an vier Sonn- oder Feiertagen unter bestimmten Bedingungen die Geschäfte öffnen können. Hinzu kämen die weitreichende Sonderrechte des Einzelhandels in touristischen Regionen.

"Der Sonntag ist der Tag der Erholung und des Gottesdienstes", formulieren sie in ihrem Votum. Er sei wichtig für Familie, Sport und Spiel und diene der Gesundheit. An freien Sonntagen gebe es Zeit, Menschen in Altenheimen und Krankenhäusern zu besuchen, hätten Väter und Mütter Zeit für ihre Kinder: "Der freie Sonntag ist ein gemeinsames Gut und ist nicht zu ersetzen durch einen Montag, an dem die Geschäfte geschlossen bleiben, die Mehrheit der Werktätigen aber zur Arbeit gehen muss."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen