Landesbischof Meister warnt am Bußtag vor Selbstgerechtigkeit

Nachricht 17. November 2016
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Landesbischof Ralf Meister; Bild: Jens Schulze

Hannover. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat am Buß- und Bettag vor Selbstgerechtigkeit und dem Verurteilen anderer gewarnt. "Oft ist es eine ganze Gruppe von Menschen, die einen Einzelnen verurteilt", sagte der evangelische Bischof am Mittwoch im einem Gottesdienst in Hannover. Der Selbstwert von Einzelnen steige offenbar, wenn sie sich einer Gruppe von moralisch Überlegenen zugehörig fühlten, sagte er in der zentralen Marktkirche. "So entsteht die empörte und wütende Öffentlichkeit."

Eine solche Gruppe könne im Kleinen aus der Familie oder den Schulkameraden bestehen, im Großen aus den Bewohnern einer Stadtgemeinde oder einem breiten Strom der Öffentlichkeit, vor allem in den sozialen Netzwerken, mahnte der Bischof laut Redemanuskript. Häufig trete an die Stelle der eigenen Schulderkenntnis die Schuldzuweisung und an die Stelle der eigenen Besserung die vermeintliche Verbesserung des anderen. "Dabei bleiben Moralpredigten eine der ineffizientesten Wege in der Erziehung."

Meister listete in seiner Predigt Menschen auf, die nach dem Verständnis mancher Buße üben müssten: Donald Trump, Recep Erdogan oder Lutz Bachmann - und der Bischof ergänzte: "Und ich." Der Buß- und Bettag rufe zuallererst zur Selbstbesinnung und Einsicht in das eigene sündhafte Denken und Tun auf und dazu, nach der eigenen Verantwortung vor den Menschen und vor Gott zu fragen. "Erst wenn ich dieses Glaubensstück wiedergewinne, dass Gott mich richtet, dass er auch andere richtet, kann ich befreit Abstand nehmen von meinem Wahn, ich müsste andere richten", sagte er.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Landesbischof und FDP-Politiker rufen zu Zuversicht auf

Hannover. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister und der niedersächsische FDP-Politiker Stefan Birkner haben am Buß- und Bettag in einem Dialog-Gottesdienst zwischen Landespolitik und Kirche dazu aufgerufen, sich auch angesichts von Terror, Kriegen und zunehmendem Populismus nicht von Sorgen erdrücken zu lassen. Es gelte, nicht nur über Katastrophen zu berichten, sondern auch von dem, was gelinge, sagte Meister.

Die größten Hoffnungsgeschichten seien fast immer religiöse Erzählungen gewesen - Geschichten des Christentums, des Judentums und auch des Islam, sagte Meister in dem Gottesdienst in der Neustädter Hof- und Stadtkirche. Auch heute gelte die Aufforderung: "Erzählt die Geschichten der Rettung und des Heils", sagte der evangelische Bischof in einer Dialogpredigt mit Birkner.

Der stellvertretende Vorsitzende der niedersächsischen FDP-Fraktion rief dazu auf, sich auf die eigenen Fähigkeiten zu besinnen und sich Unterstützung zu suchen. Die Sorgen würden größer angesichts von Kriegen, Fluchtbewegungen und des Terrors, der auch Deutschland erreiche. Gleichzeitig gewinne der Populismus Auftrieb, bei dem statt Fakten Stimmungsmache zähle. Doch auch, wenn Probleme überwältigend wirkten, könne sich der einzelne fragen, wie er im Kleinen zur Lösung beitragen könne.

Sich die Nöte anderer zu vergegenwärtigen, helfe dabei, die eigenen Sorgen in Relation zu sehen, sagte Birkner. Er erinnere sich an einen Weihnachtsgottesdienst, in dem das Lied "Von guten Mächten" gesungen wurde, dass der Theologe Dietrich Bonhoeffer 1944 dichtete. "Es vermittelt eine tiefe Klarheit und Geborgenheit im Angesicht der Gestapo-Haft und des drohenden Todes." Er selbst habe damals vor vier Jahren als Spitzenkandidat um den Einzug seiner Partei ins Landesparlament bei den bevorstehenden Wahlen gebangt. Und ihm sei klargeworden: "Es gibt Wichtigeres."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen