"Wahl von Trump gehört auf die Kanzel"

Nachricht 13. November 2016

Hannover/Frankfurt/Main. Die Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump muss nach Meinung des "Wort zum Sonntag"-Sprechers Wolfgang Beck aus Hildesheim an diesem Wochenende Thema in den Sonntagsgottesdiensten sein. "Wer in diesen Tagen einen Gottesdienst feiert und die schwierige politische Situation ignoriert, gibt ja unbewusst auch ein Statement: 'Ich bete fromm und singe schön, aber, was die Menschen sonst so beschäftigt, interessiert mich nicht'", sagte der katholische Theologieprofessor in einem Interview der hannoverschen "Neuen Presse" (Samstagsausgabe). Der 42-Jährige wird an diesem Sonnabend um 23.35 Uhr für den NDR die wöchentliche Andacht in der ARD halten.

Das Thema müsse zwar nicht zwingend in den Predigten vorkommen, sagte der Professor der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt/Main: "Aber wenn es auch sonst nirgends erwähnt wird, fände ich das sehr problematisch." Gerade in der deutschen Geschichte sei deutlich geworden, was es bedeute, wenn sich kirchliche Vertreter in wichtigen gesellschaftlichen Fragen nicht einmischten, sagte der in Hildesheim lebende Pfarrer in Anspielung auf das Schweigen der Kirchen in der NS-Zeit: "Theologen, die nur fromm zum Himmel schauen, sind wenig hilfreich."

Er sei davon überzeugt, dass eine Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben nur möglich sei, wenn man dabei auch die Welt um sich herum wahrnehme, sagte Beck. "Und das gilt natürlich gerade für so große Ereignisse wie jetzt in den USA." Beim "Wort zum Sonntag" spielten aktuelle gesellschaftliche Themen immer eine Rolle: "Nicht nur, aber eben auch." Manche politischen Themen wie die Präsidentenwahl in den USA beschäftigten die Mehrheit der Menschen: "Dann so zu tun, als ginge das einen Theologen oder die Kirche nichts an, wäre ja erst recht skandalös", betonte der Theologe, der bis 2015 sieben Jahre lang Pfarrer in Hannover-Linden war.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen