Evangelische Kirche erteilt Judenmission eine Absage

Nachricht 10. November 2016
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Symbole für Christentum (Kreuz) und Judentum (Kippa) (Symbolbild). Bild: Jörn Neumann/epd-bild

Emden/Magdeburg. Die evangelische Kirche hat der Judenmission eine klare Absage erteilt. Christen seien "nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen", heißt es in der Erklärung, die die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch in Magdeburg nach intensiver Diskussion einstimmig beschlossen hat. Zugleich heißt es, dass Menschen den Widerspruch zwischen den unterschiedlichen Bekenntnissen von Christen und Juden nicht lösen können: Das "stellen wir Gott anheim", heißt es.

Auch wenn in Deutschland kaum Fälle bekannt sind, dass Christen versucht haben, Juden zu ihrem Glauben zu bekehren, gilt die Erklärung als wichtiges Signal nach außen und nach innen. Die Kundgebung sei "ein Markstein im Verhältnis der EKD zum Judentum", sagte der Vorsitzende des Synodenausschusses "Schrift und Verkündigung", der niedersächsischen Landessuperintendent Detlef Klahr, bei der Vorstellung des zweiseitigen Papiers. Die Bezeichnung Judenmission treffe heutzutage nicht mehr zu, sagte Klahr, deshalb stehe "sogenannte Judenmission" in der Kundgebung.

Die Frage, ob Christen Juden davon überzeugen dürfen, dass der Weg zum Heil nur über den gekreuzigten Juden Jesus Christus führt, den sie als Messias betrachten, ist in den vergangenen Jahrzehnten kontrovers diskutiert worden. Einige der 20 evangelischen Landeskirchen haben sich bereits in eigenen Erklärungen gegen die Mission von Juden ausgesprochen, in anderen gibt es unterschiedliche Ansichten dazu. Nachdem sich die EKD-Synode im vergangenen Jahr vom Antijudaismus des Reformators Martin Luther (1483-1546) klar distanziert hatte, kam die Forderung auf, sich noch vor dem 500. Reformationsjubiläum auch zur Judenmission zu positionieren.

Die Synode der EKD argumentiert in ihrer Kundgebung bewusst theologisch und weniger historisch. Sie beruft sich auf die "bleibende Erwählung Israels": die Überzeugung, dass Gott zunächst mit dem Volk Israel einen Bund geschlossen hat und dann mit den Christen - und beide Vereinbarungen in Treue hält: "Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels." Somit hat das Präsidium unter Bezug auf Psalm 146 das Papier "... der Treue hält ewiglich." genannt.

Da die 20 Landeskirchen innerhalb der EKD eigenständig sind, ist die Kundgebung der EKD-Synode für sie nicht bindend. Synodenpräses Irmgard Schwaetzer indes äußerte sich zuversichtlich, dass die Erklärung in Landeskirchen und Gemeinden Wirkung haben wird. Die Kundgebung sende eine klare Botschaft, die ihrer Ansicht nach nicht überhört werden wird.

Das historische Argument, dass sich nach dem Holocaust eine Judenmission sowieso verbiete, wird in nur einem Satz angesprochen: Das Bekenntnis zu "christlicher Mitverantwortung" am nationalsozialistischen Völkermord und das damit verbundene Umdenken habe auch Konsequenzen für ein christliches Zeugnis gegenüber Juden.

Nicht in der Kundgebung erwähnt werden die messianischen Juden, ihre Situation prägte aber die lange und intensive Diskussion in der Synode. Obwohl der Ausschussvorsitzende Klahr betonte, die Formulierungen böten "kein Schlupfloch", kamen bei einigen Synodalen Befürchtungen auf, dass die Mission, die diese Gruppe betreibt, nicht genügend kritisiert wird. Messianische Juden glauben, dass Jesus ihr Messias ist, sehen sich aber selbst weiterhin als Juden. Auch in Deutschland existieren Vereine wie der "Evangeliumsdienst für Israel", die jüdisch-messianische Gemeinden in Israel und Deutschland unterstützen.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen