Modellprojekt erprobt in Stade neue Formen kirchlicher Arbeit

Nachricht 10. November 2016
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Neugebaute Reihenhäuser (Symbolbild); Bild: epd-bild/Gustavo Alàbiso

Stade/Hannover (epd). Jugendarbeit an der Kletterwand, Gottesdienste im Tattoo-Studio oder "Caféthralen": Das sind Beispiele für neue Arbeitsformen, die die hannoversche Landeskirche mit einem Modellprojekt so oder so ähnlich in Stade ausprobieren will. Unter dem Titel "Fresh Expressions of Church" ("Neue Ausdrucksformen von Kirche") startet im Januar in den Stadtteilen Riensförde und Ottenbeck ein auf fünf Jahre befristetes Projekt, sagte am Mittwoch der Stader Regionalbischof Hans Christian Brandy. Das Geld dafür kommt größtenteils aus einem landeskirchlichen Sonderfonds, der "missionarische Chancen" erschließen will.

"Wir wollen den Menschen auf neue Art den Glauben nahebringen", verdeutlichte Landessuperintendent Brandy. Dafür werden im Neubaugebiet Riensförde und im Stadtteil Ottenbeck, der vor mehr als 20 Jahren auf dem Gelände einer Kaserne entstand, nicht extra Gemeindezentren gebaut: Die Kirche hat Pastorin Sabine Ulrich angestellt, die quasi als theologische Streetworkerin zunächst erkunden will, welche Angebote passen.

Das soll außerhalb bestehender Strukturen passieren. So braucht sich die 39-jährige Theologin nicht um Amtshandlungen wie Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen zu kümmern. Dafür soll sie neue Arbeitsformen suchen, Begegnungsorte schaffen und Kontakte knüpfen. "Ich will hingehen, da sein und hören, was anliegt", sagte Ulrich, die bisher als Militärpfarrerin in Kiel und als Gemeindepastorin in Nordholz bei Cuxhaven gearbeitet hat. Damit das gelingt, kann sie sich auch vorstellen, zunächst mit einem Bollerwagen durch die Stadtteile zu ziehen: "Mit Kaffee im Gepäck und der Hoffnung, dass es nicht regnet."

Alles sei darauf ausgelegt, die Arbeit frei gestalten zu können, betonte Brandy. Ulrich zieht demnächst in ein Reihenhaus in Riensförde und will dort später auch mit einer Anlaufstelle im Gebäude einer diakonischen Stiftung präsent sein. Das wird gerade gebaut und soll bis zum Sommer fertig sein.

Ulrichs Arbeit solle eng mit der Gemeinwesendiakonie in den Quartieren verknüpft werden, ergänzte Stades Superintendent Thomas Kück. Begleitend will das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im kommenden Jahr untersuchen, wer in den Stadtteilen wohnt und wer neu hinzuzieht. Das soll auch Einfluss auf die Angebote von Ulrich haben.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen