Glauben Christen und Muslime an denselben Gott?

Nachricht 15. September 2016
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Dieter Rathing

Celle/Hamburg (epd). Rund 300 Pastorinnen und Pastoren aus dem evangelischen Kirchensprengel Lüneburg haben sich am Mittwoch in Celle über ihre Rolle in einer multireligiösen Gesellschaft verständigt.

Für den Regionalbischof des Sprengels Lüneburg, Dieter Rathing, gibt es gute Gründe für die „Annahme“, dass Juden, Christen und Muslime an denselben Gott glauben. So stimmten die drei monotheistischen Religionen darin überein, dass es nur einen Gott gibt. Der eine Gott sei in der ganzen Schöpfung am Werk. „Ich kann nicht denken, dass Gott seine gnädige Zuwendung zum Menschen von einem bestimmten Gottesglauben abhängig macht“, gestand der Theologe. Anders an Gott zu glauben als andere, heiße nicht, an einen anderen Gott zu glauben. Der Heilswille Gottes sei universal.

Michael Biehl vom Evangelischen Missionswerk in Hamburg rief die Pastorinnen und Pastoren aus dem Sprengel dazu auf, sich stärker in der interkulturellen und interreligiösen Arbeit zu engagieren. Abstrakte Religionsvergleiche brächten die Menschen im Zusammenleben nicht weiter, der Dialog untereinander dagegen schon. Durch die Begegnung könnten neue Möglichkeiten im Zusammenleben entstehen. "Entscheidend ist, ob wir bereit sind, uns durch die Begegnung verändern zu lassen."

Erfahrungen mit kultureller und religiöser Vielfalt gebe es in Deutschland erst seit kurzer Zeit, sagte der evangelische Theologe Biehl. Sie seien in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten durch die größere Zahl von Zuwanderern und Flüchtlingen entstanden. Bis in die 1970er Jahre hinein hätten lediglich einige Deutsche aus Protest gegen Gesellschaft und Kirche ihre Religion gewechselt. Das Treffen stand unter dem Motto "Theologie, Kirche und Glaube im multireligiösen Kontext".

In seiner Predigt zu Beginn des Tages hatte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister gesagt, zwar gebe es sowohl in der Geschichte des Christentums viel Entmutigendes. "Aber das Erstaunliche ist doch: Noch immer gibt es neue Aufbrüche, faszinierend junges Leben in der Kirche, Anfänge, die verheißungsvoll sind." Meister zitierte dabei aus der Predigt zu seiner Konfirmation, die für ihn einen Schlüsselsatz beinhalte: "Haltet von der Kirche, was ihr wollt. Haltet von dem Pastor, der Pastorin, was ihr wollt. Haltet von dem, was die Kirche macht und darstellt, was ihr wollt. Aber fangt immer wieder an mit Jesus."

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen/Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Lüneburg