"Niemals mit der Geißel des Krieges abfinden"

Nachricht 22. August 2016
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Landesbischof Ralf Meister; Bild: Jens Schulze

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat zu mehr Engagement aufgerufen, den Konflikt in Syrien zu beenden. "Wir dürfen uns niemals mit der Geißel des Krieges abfinden", sagte der evangelische Theologe am Sonntag dem Radiosender NDR 1. Das Rote Kreuz spreche in Aleppo von einem der "verheerendsten städtischen Konflikte der Neuzeit".

Meister nahm in seiner "Zwischenruf-Andacht" auch Bezug auf das weltweit bekanntgewordene Foto des bei einem Luftangriff verletzten Jungen Omran. "Das Foto mit einem kleinen Jungen aus Aleppo läuft um die Welt." Es sei die Anklage gegen Männer, die aus Machthunger, religiösem Wahn und tiefer Bosheit Unheil über die Welt brächten. "Es ist Krieg. Und diese Welt scheint unfähig dem Teufel des Krieges den Kopf abzuschlagen."

Ein Zeichen der Hoffnung sei für Meister, dass Ende August eine kleine Gruppe syrischer Christen nach Hannover komme. Sie würden davon erzählen, was in ihrem Land geschehe und dann wieder zurückreisen. Es seien Pastoren, die treu zu ihren verfolgten christlichen Gemeinden stünden. "Wir werden zuhören und zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben. Wir beten für sie."
 

copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Der "Zwischenruf" im Wortlaut

Es ist ein Bild, das das Herz zerreißt. Bedeckt vom Staub auf dem T-Shirt, der kurzen Hose, seinen kleinen geschundenen Beinen und nackten Armen, blutverschmiert im Gesicht. So sitzt der kleine Junge auf dem knallorangenen Rettungssitz, um ihn aus der Hölle zu bringen. Regungslos schaut er in die die Welt des Schreckens und der Gewalt.

Das Foto mit einem kleinen Jungen aus Aleppo geht um die Welt. Es ist die Anklage gegen Männer, die aus Machthunger, religiösem Wahn und tiefer Bosheit Unheil über die Welt bringen. Es ist Krieg. Und diese Welt scheint unfähig dem Teufel des Krieges den Kopf abzuschlagen.

Das Rote Kreuz spricht in Aleppo von einem der „verheerendsten städtischen Konflikte der Neuzeit“. „Nichts und niemand“ sei mehr sicher. Wie dünn ist das Eis der Zivilisation, auf dem wir uns bewegen.

Sehen wir dem Leiden der Millionen achselzuckend zu? Niemals. Wir dürfen uns niemals mit der Geißel des Krieges abfinden.

Es braucht so viel und wir können so wenig tun. Ein winziges Zeichen der Hoffnung ist für mich, dass Ende August eine kleine Gruppe syrischer Christinnen und Christen nach Hannover kommt. Sie werden davon erzählen, was in ihrem Land geschieht und dann wieder zurückreisen. Sie stehen treu zu ihren verfolgten christlichen Gemeinden.

Wir werden zuhören und zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben. Wir beten für sie. Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen übernehmen Patenschaften für Schulen und Gemeinde in Syrien. Ein winziger Tropfen auf den heißen Stein. Doch darin ist die Hoffnung geborgen, dass dieser Junge, der in seinem Leben nur Krieg gesehen hat, einmal ein anderes Leben in Frieden führen kann.

Landesbischof Ralf Meister, Hannover