Kirchenpräsident Heimbucher mahnt Islamverträge an

Nachricht 18. August 2016

Hannover/Leer (epd). Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat die Islamverträge für Niedersachsen angemahnt. Bei allen Problemen sei die Idee richtig "und ihre Umsetzung nötiger denn je", sagte der Leitende Theologe aus Leer am Mittwoch in einer ökumenischen Andacht in der hannoverschen Marktkirche zum Beginn der neues Sitzungsperiode des Niedersächsischen Landtags. "Die gesellschaftliche Mitverantwortung aller will nicht nur proklamiert werden. Sondern wir müssen sie miteinander leben."

Die CDU-Fraktion im Landtag hatte in der vergangenen Woche einstimmig beschlossen, während der laufenden Legislaturperiode keine weiteren Verhandlungen mit den muslimischen Verbänden aufzunehmen. Die Fraktion warf dem Verband Ditib mangelnde Staatsferne zur Türkei vor. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bezeichnete nach einem Gespräch mit den Fraktionen von SPD, den Grünen und der FDP einen Vertragsabschluss noch in diesem Jahr als "nicht mehr realistisch". Inhaltlich stehe die Landesregierung aber hinter dem vorliegenden Vertragsentwurf. Die evangelische Kirche bedauerte die Entscheidung der CDU.

Heimbucher forderte eine allgemeine Debatte unter der Überschrift "Welche Gesellschaft willst du eigentlich?" An dieser "notwendigen Auseinandersetzung" müssten sich auch die Menschen beteiligen, die neu nach Deutschland gekommen sind: "Denn unsere Zukunft ist auch ihre Zukunft", betonte der Theologe.

Die Menschen sorgten sich, wie die Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft gelingen könne, sagte Heimbucher. Er warnte vor einen verklärenden Blick in die Vergangenheit: "Wer zurück will in vergangene Zeiten, verfehlt die Gegenwart. Mehr noch: Es ist leichtfertig und gefährlich, den Traum einer vergangen Zeit als Rezept für die Gegenwart zu verkaufen." Slogans wie "Deutschland den Deutschen" oder "Make America great again" seien Parolen der Verdummung. "Und Dummheit ist für eine Gesellschaft gefährlicher als Bosheit."

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