Hamburger Theologe Grünberg gestorben - Forschungsschwerpunkt war Kirche in der Großstadt

Nachricht 16. August 2016
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Hamburger Hauptkirche St. Michaelis (Michel). Bild: Stephan Wallocha/epd-bild

Hamburg/Hannover (epd). Der Hamburger Theologe Wolfgang Grünberg ist am Sonnabend (13. August) im Alter von 76 Jahren in Hamburg gestorben. Er sei nach schwerer Krankheit kurz nach seinem Geburtstag gestorben, teilte die Universität Hamburg am Montag mit. Grünberg war Professor für Praktische Theologie. 28 Jahre lang hatte er die Arbeitsstelle "Kirche und Stadt" geleitet und dieses Amt erst vor einem Jahr abgegeben. Sein Forschungsschwerpunkt war die Kirche in der Großstadt.

Die evangelische Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche, Kirsten Fehrs, sagte, Grünberg habe wie kaum ein anderer gesehen, welche Herausforderungen die moderne Großstadt an Theologie und Kirche stelle. "Die 'Sprache der Stadt' war sein Thema." Mit seinen Forschungen über die Vielfalt der Religionen, die öffentliche Bedeutung des Kirchenraumes und die sozialen Unterschiede der Stadt habe er eine ganze Generation von Theologen geprägt, betonte Fehrs: "Wir verlieren mit Wolfgang Grünberg einen warmherzigen und geradlinigen Freund, Mentor und Gesprächspartner."

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagte, in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sei Grünberg als Theologe "anerkannt und einflussreich" gewesen. Meister hatte in den 1990er Jahren an der Hamburger Universität mit Grünberg gearbeitet. Gemeinsam entwickelten die beiden Theologen das Hamburger "Lexikon der Religionsgemeinschaften", in dem sie rund 180 christliche, jüdische und muslimische Glaubensgemeinschaften vorstellten. Meister sagte, Grünberg habe im Themenfeld "Kirche und Stadt" intensive Arbeit geleistet, die in vielen Großstädten Erfolge gezeigt habe.

Der Fachbereich Theologie der Hamburger Uni würdigte Grünbergs Forschungsarbeit als "Pionierarbeit". Besonders produktiv sei sein interdisziplinäres Arbeiten gewesen. Die wissenschaftlichen Fragen über das Wirken der Kirche in der Stadt habe er zusammen mit Architekten, Ethnologen, Kunsthistorikern, Stadtplanern, Politologen und Soziologen bearbeitet. Seine Uni-Arbeitsstelle wird seit Jahresanfang unter dem Namen "Kirche und Gemeinwesen" weitergeführt.

Grünberg trat mit seiner Arbeit vor allem dem Vorurteil entgegen, dass sich die Kirche heute vor allem in ländlichen Regionen entwickelt. Erfolgreich kann die Kirche laut Grünberg in der Zukunft nur sein, wenn sie sich in der Großstadt bewährt. "Die religiöse Sehnsucht in der Stadt ist größer denn je", sagte Grünberg zum 25-jährigen Bestehen seiner Arbeitsstelle vor vier Jahren. Die Kirche in der Stadt sei mehr als eine Gemeindekirche. Sie müsse ihre Räume öffnen. Dies gelte nicht nur für die Kirchenräume selbst, sondern auch für das Erleben von Gottesdiensten. Grünberg plädierte zudem für gesellschaftspolitisches Engagement: "Stadtteilarbeit und kirchliche Arbeit sind immer zwei Seiten derselben Medaille."

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