Freiwillige Flüchtlingshelfer sind hoch motiviert - Diakonie in Niedersachsen warnt vor überforderten Ehrenamtlichen

Nachricht 09. August 2016

Gütersloh/Hannover (epd). Die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen ist laut einer aktuellen Studie nach wie vor groß. Das freiwillige Engagement in Deutschland sei weiterhin stark, die Helfer seien hoch motiviert, erklärte die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag in Gütersloh bei der Vorstellung der Untersuchung. Der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Christoph Künkel, unterstrich den Stellenwert der Ehrenamtlichen. Sie leisteten eine "intensive und verantwortungsvolle Arbeit", sagte er in Hannover. Der Theologe mahnte zugleich, die Belastungen der Freiwilligen im Blick zu behalten. Einige seien bereits an die Grenzen ihrer Kräfte gekommen.

Der Studie zufolge ist die Hilfe der Ehrenamtlichen hochgradig relevant, um Flüchtlingen ein soziales Ankommen zu ermöglichen. Dabei übernähmen die Helfer oft Aufgaben, die normalerweise der Staat leisten müsste. So kümmerten sie sich um Lebensmittel, Kleidung und Wohnraum. Zudem seien sie eine wichtige Brücke zwischen den Flüchtlingen und den Behörden und übernähmen Lotsen-Funktionen. So sorgten sie dafür, dass geflüchtete Menschen Angebote zur Integration überhaupt erst wahrnehmen könnten. Außerdem stärkten sie den Zusammenhalt der Gesellschaft und setzten wichtige Signale gegen Fremdenfeindlichkeit.

Künkel unterstrich die Notwendigkeit, die ehrenamtliche Helfer in Fortbildungen und Beratungen zu schulen. Zudem müsse ihnen die Möglichkeit gegeben werden, um über ihre Erfahrungen zu reden. "Uns allen ist klar: bei der Arbeit mit Flüchtlingen brauchen wir Geduld und einen langen Atem. Vieles geht nicht so schnell wie wir es uns wünschen."

Er halte es für wichtig, in einem nächsten Schritt die angekommenen Zufluchtsuchenden nach ihren Zukunftsplänen und bisherigen Erfahrungen in Deutschland zu befragen, sagte Künkel. Dies könnte helfen, die Zusammenarbeit zu verbessern. Denn Gespräche mit Helfern zeigten auch deutlich: "Unsere Kultur und die Kulturen der Ankommenden sind immer noch so unterschiedlich, dass vielen nicht immer deutlich wird, wohin unsere Hilfsbemühungen gehen."

Für die Bertelsmann-Studie wurden zwischen Januar und März in 17 Kommunen 25 Interviews geführt, darunter in Münster, Dresden, Stuttgart und Berlin. Da es sich um qualitative Interviews gehandelt habe, seien die Ergebnisse nicht repräsentativ, hieß es. Die Studie "Koordinationsmodelle und Herausforderungen ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe in den Kommunen" wurde vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt-Universität im Auftrag der Stiftung durchgeführt.

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