53 Euro machen den Unterschied - Diakonie drängt mit Petition auf mehr Geld für arme Schulkinder

Nachricht 09. August 2016

Eltern mit wenig Geld können pro Jahr 100 Euro für Schulsachen beantragen. Nach einer Studie reicht das vorn und hinten nicht. Unter dem Motto "53 Euro machen den Unterschied" sammelt die Diakonie in Niedersachsen Unterschriften für mehr Hilfen.

Hannover (epd). Schulkinder aus Familien mit wenig Geld bekommen nach Überzeugung der Diakonie in Niedersachsen zu wenig Unterstützung vom Staat. Die Sätze aus dem Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder von Hartz-IV-Beziehern in Höhe von jährlich 100 Euro seien im Durchschnitt 53 Euro zu niedrig. Mit einem Petitionsaufruf an den Bundestag will die Diakonie jetzt auf eine Gesetzesänderung drängen. "Die Bildungschancen entscheiden sich ganz früh", sagte Diakonie-Vorstandssprecher Christoph Künkel am Montag in Hannover. Schon bei der Einschulung werde die Benachteiligung mancher Kinder deutlich sichtbar.

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) unterstützte den Aufruf, der in den kommenden Tagen über die Petitionsseite des Bundestages abrufbar sein soll. Sie forderte darüber hinaus, mehr gegen die Armut zu unternehmen. In Niedersachsen sei jedes fünfte Kind armutsgefährdet. Das Land setze sich deshalb dafür ein, die Sätze für Kinder bei den Sozialleistungen generell zu erhöhen. "Optimal wäre sogar, wenn es eine Kinder-Grundsicherung geben könnte."

Erreicht die Petition binnen 28 Tagen nach ihrer Veröffentlichung 50.000 Unterschriften, muss sich der Bundestag mit dem Thema befassen. Nach einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) liegen die tatsächlichen Kosten für den Schulbedarf bei durchschnittlich 153 Euro im Jahr. Besonders hohe Kosten entstünden im Einschulungsjahr mit mehr als 300 Euro, sagte Künkel. "Eltern sagen, wir schaffen das nicht. Sie schämen sich aber auch." Die Studie war von der Diakonie in Niedersachsen und der hannoverschen Landeskirche initiiert worden.

Rundt zufolge wird derzeit auf Bundesebene über die Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze beraten. Ein zugrundeliegendes Gutachten komme zu ähnlichen Werten wie die Diakonie. "Auch dort wird gesagt, dass der Bedarf im Bereich Schule deutlich unterschätzt worden ist." Das Antragsverfahren für die Unterstützung sei zudem gerade für diejenigen zu kompliziert, die die Hilfen am meisten bräuchten - etwa für Migrantenfamilien. Rundt und Künkel appellierten zudem an Lehrer, bei ihren Empfehlungen für die Schulsachen auch die Kosten im Blick zu behalten.

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