Luther-Schatz in Kieler Uni wieder entdeckt - Ausstellung mit Erstausgaben und Frühdrucken geplant

Nachricht 04. August 2016

Rechtzeitig zum Reformationsjubiläum 2017 hat die Kieler Uni-Bibliothek ihre Bestände durchsucht. Zum Vorschein kamen bisher wenig beachtete Luther-Erstausgaben und frühe Lutherdrucke. Zum Jubiläum sollen sie erstmals ausgestellt werden.

Kiel (epd). In der Bibliothek der Kieler Christian-Albrechts-Universität schlummern einige bislang kaum beachtete Schätze. So lagern hier etwa historisch wertvolle Luther-Erstausgaben. Die Leiterin des Altbestandes, Klára Erdei, hat sie kürzlich gesichtet und ist immer noch erstaunt, was sie in den Regalen entdeckt hat. Unter den 124 verzeichneten Titeln befinden sich ein Original-Exemplar des September-Testaments und vier Blätter des legendären Thesenanschlags des Reformators Martin Luther (1483-1546).

   Das September-Testament erschien 1522 und ist die erste Ausgabe von Luthers deutscher Übersetzung des Neuen Testaments der Bibel. Der Reformator vollendete das Werk noch auf der Wartburg. Hier versteckte er sich 1521/22 unter dem falschen Namen «Junker Jörg». Drei Jahre später erschien dann das Neue Testament in einer niederdeutschen Ausgabe, die ebenfalls in der Uni-Bibliothek zu finden ist. Der Ledereinband ist noch das Original von 1525. Auch bei anderen Werken verbirgt sich hinter den Schutzkartons der Original-Einband.

   Weiter besitzt die Kieler Bibliothek vier Blätter mit den berühmten 95 Thesen, die Martin Luther am 31. Oktober 1517 eigenhändig an der Schlosskirche in Wittenberg veröffentlicht haben soll. In diesen Thesen prangerte er Missstände in der damaligen Kirche an.

   Der Kieler Theologie-Professor Johannes Schilling, Präsident der Luthergesellschaft, war überrascht und erfreut über die Luther-Funde.

Für ihn steht jetzt fest: Die Kieler Schätze werden im Reformationsjahr 2017 ausgestellt, und zwar in Kiel. Im November 2017 soll die Ausstellung in der Universitätsbibliothek eröffnet werden.

«Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren», sagt Schilling und weist damit auf den zeitlichen Bezug der Ausstellung hin.

   Die Suche nach den Lutherschätzen begann mit einer Anfrage aus Greifswald. Die dortige Bibliothek plant eine Luther-Ausstellung und sucht Leihgaben. Klára Erdei machte sich aus die Suche, zunächst am Computer und dann im Magazin. Dort erst entdeckte sie hinter oft erneuerten Einbänden, welche Schätze in Kiel lagern. Unklar ist in den meisten Fällen immer noch, wie die historisch wertvollen Werke in die Kieler Bibliothek gelangten.

   Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wurde 1665 gegründet und ist nach ihrem Gründer, Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf, benannt. Die theologischen Werke sind deutlich älter. Jetzt sind Schilling und Erdei auf der Suche, ob es in den Bänden Hinweise gibt, wie sie nach Schleswig-Holstein gelangt sind.

   Bei einigen Büchern sind sie bereits fündig geworden. Sie stammen aus einem Nachlass des US-amerikanischen Büchersammlers William Jackson, der 1934 versteigert wurde. Wenn bis zur Ausstellungseröffnung der Weg der Werke nach Kiel ausfindig gemacht worden sein sollte, könnten entsprechende Hinweise Teil der Schau sein.

epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen