Reformierter Kirchenpräsident ruft nach Anschlägen zu Besonnenheit auf

Nachricht 27. Juli 2016

Leer (epd). Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat nach den Anschlägen der vergangenen Wochen zu Besinnung und Besonnenheit aufgerufen. "Besonnenheit braucht es jetzt insbesondere in unserem Urteil über Menschen. Eine erschrockene Gesellschaft sucht immer nach Schuldigen", schreibt der Theologe in einem offenen Brief an seine Kirche. Wenn dieser Schuldige aber nicht mehr greifbar sei, weil er sich zum Beispiel selbst getötet habe, würden zur eigenen Entlastung andere Schuldige gesucht. "Hier müssen wir außerordentlich wachsam und kritisch sein."

Es sei schrecklich, wenn eine Gesellschaft mit Worten und Taten über vermeintlich Schuldige herfalle, ohne dafür Beweise zu haben. Das sei leider zurzeit in der Türkei zu erleben. Richter, Soldaten, Lehrer und Journalisten würden zu Tausenden für Verbrechen haftbar gemacht, mit denen sie nichts zu tun hätten. "Hier müssen wir widerstehen", mahnte Heimbucher. Die Deutschen hätten einschlägige Erfahrungen damit gemacht, als die Nazi-Demagogen behauptet hätten, die Juden seien ihr Unglück: "Wir wollen so etwas nie wieder zulassen."

Nach den Attentaten gehe es jetzt darum, "das erschütterte Vertrauen in unser Zusammenleben auch mit Migranten und Flüchtlingen wieder wachsen zu lassen". Er sei froh über alle persönlichen Kontakte, die in den vergangenen Monaten mit den vielen Flüchtlingen im Land geknüpft worden seien, schreibt Heimbucher: "Wir werden widersprechen, wenn ganze Gruppen kollektiv büßen sollen, was ein einzelner kranker Mensch getan hat."

Zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer gehören rund 180.000 Mitglieder in 145 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu.

copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen