Vorherrschaft weißer Protestanten geht zu Ende

Nachricht 11. Juli 2016

Washington (epd). In den USA stellen laut einer neuen Studie die weißen Christen und auch die weißen Protestanten nicht mehr die Mehrheit. Die weißen Christen machten nur noch knapp die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung aus, die weißen Protestanten nur noch knapp ein Drittel, schreibt der Leiter des Washingtoner Forschungsinstituts «Public Religion Research Institute» Robert Jones in seinem neuen Buch, das am Montag in Washington vorgestellt wird. Zudem hätten die weißen Christen an Einfluss verloren.

Verantwortlich für den Rückgang seien demografische und gesellschaftliche Trends wie Einwanderung und höhere Geburtenraten bei Schwarzen und bei Latinos sowie die Entscheidung junger Menschen gegen organisierte Religion, schreibt der Religionsexperte in seinem Buch «Das Ende vom weißen christlichen Amerika» (The End of White Christian America). Bisher hat der Protestantismus die USA geprägt. Führende Vertreter aus Wirtschaft und Politik und die Mehrheit der US-Amerikaner waren weiße Protestanten.

Noch Mitte der 1970er Jahre seien 63 Prozent der US-Amerikaner protestantische Christen gewesen, 55 Prozent weiße Protestanten, schreibt Jones unter Berufung auf Umfragen des Forschungsinstituts. 2014 hätten sich nur noch 47 Prozent als weiße Christen eingestuft und 32 Prozent als weiße Protestanten. Katholiken, schwarze und weiße, stellten 2014 laut Institut 22 Prozent der Bevölkerung.

Gestiegen ist der Anteil der Menschen ohne religiöse Bindung: laut Studie von sieben Prozent im Jahr 1974 auf 22 Prozent im Jahr 2014. Besonders hoch ist der Anteil bei den jungen Erwachsenen: Bei den 18- bis 29-Jährigen verzichtete 2014 ein Drittel auf religiöse Bindungen.

Jones äußert die Hoffnung, die plurale Nation werde Wege finden aus ihrer gegenwärtigen gesellschaftlichen Polarisierung. Denn seiner Ansicht nach hat Religion wesentlich zu dieser Polarisierung beigetragen. Jones zufolge schadet der Rückgang des weißen Christentums politisch vor allem der Republikanischen Partei. Manche dieser Christen seien nun «Nostalgiewähler» und Anhänger von Donald Trump.

Nicht alle Kirchen interpretieren den Machtverlust als Niederlage.

Die USA erlebten nicht den «Tod des Christentums», sondern vielmehr «den Niedergang des beiläufigen und kulturellen Christentums», konterte Ed Stetzer, Vorsitzender des «Billy Graham Center for Evangelism» in Wheaton in Illinois. Es sei «nicht unbedingt schlecht», wenn man neu definieren müsse, was es bedeute, Christ zu sein.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen