Frauenwerk feiert zehn Jahre «Bibel in gerechter Sprache»

Nachricht 10. Juli 2016

Lübeck (epd). Mit einem Festakt im Lübecker Dom hat das Frauenwerk
der evangelischen Nordkirche am Samstag das zehnte Jubiläum der
«Bibel in gerechter Sprache» gefeiert. In ihrem Festvortrag nannte
die Dortmunder Theologin Kerstin Schiffner die Bibelübersetzung «ein
reformatorisches Projekt».

   Fünf Jahre lang hatten 42 Theologinnen und zehn Theologen die
Bibel auf 2.400 Seiten neu übersetzt. Im Oktober 2006 wurde das Werk
auf der Frankfurter Buchmesse erstmals vorgestellt. Gleich nach der
Veröffentlichung stieß die «Bibel in gerechter Sprache» auf ein
gewaltiges Echo. Das lag vor allem an ihren Kritikern, die neben
einzelnen Formulierungen das gesamte Projekt unter
Feminismus-Verdacht stellten.

   Zu den Förderern der Übersetzung gehörte die damalige Lübecker
Alt-Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter, zu den schärfsten Kritikern
ihr Amtsvorgänger Alt-Bischof Ulrich Wilckens. Die Bischofskonferenz
der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) distanzierte sich im März 2007 von der «Bibel in gerechter Sprache»: Maßgeblich für Gottesdienste bleibe die Luther-Übersetzung.

   «Es gibt keine Übersetzung, die ein für alle Mal richtig ist»,
sagte nun Theologin Schiffner, die damals aktiv an dem Projekt
mitgearbeitet hatte. «Auch die Luther-Bibel ist vorläufig.»
Bibelübersetzungen hätten «immer mit Vielfalt» zu tun. Es gelte,
permanent und immer wieder ganz genau in den Urtext zu schauen und zu erforschen, welche Bedeutung welches Wort habe.

   Heute würden auch Menschen, die mit Luthertexten völlig unvertraut
seien, die «Bibel in gerechter Sprache» plötzlich interessant finden,
sagte Schiffner weiter. Sie schaffe «neue Perspektiven», etwa auch
mit Blick auf die jüdisch-christliche Tradition. Und natürlich
erscheine auch die Rolle der Frauen in einem neuen Licht, wenn zum
Beispiel der Ausdruck «Herr» ersetzt wurde durch Begriffe wie «die
Heilige» oder «der Ewige».

   Nach dem Festakt wurde die Wanderausstellung «Frauen schreiben
Reformationsgeschichte» eröffnet. Die Schau zeigt reformatorisches
Wirken von Frauen in der Nordkirche in den vergangenen 500 Jahren und ist im Dom zu Lübeck vom 9. Juli bis 19. August täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen