„Sie blühen richtig auf“

Nachricht 28. Juni 2016

„Ihr Leben ist nicht leicht, die Kinder haben es oft nicht gut. Viele Eltern sind arbeitslos, manche sind dadurch Alkoholiker. In den Ferienwochen bei den Gasteltern blühen sie richtig auf, sie lachen, sind ausgelassen, spielen und sind glücklich“, sagt Valentina Woitik. Sie ist Dolmetscherin und begleitet seit vielen Jahren Kinder aus Gomel bei Tschernobyl für vierwöchige Ferien in den Kirchenkreis Hittfeld. Die 23 Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 13 Jahren kommen aus der durch das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986 stark verseuchten Region. In den vier Wochen genießen sie eine unbeschwerte Zeit bei ihren Gasteltern, atmen saubere Luft und essen unbelastete Lebensmittel. „Besonders wichtig ist, dass sie Liebe und Wärme erfahren von Gasteltern, die sich um sie kümmern. Sie lernen, „was gut ist und gut tut“, und das nehmen sie für sich mit nach Gomel“, sagt Valentina. Und: „Nicht alle Kinder können lachen, manche sind in sich gekehrt, traurig. Nach nur wenigen Tagen blühen sie hier richtig auf. Diese Aktion ist das Beste, was wir machen können für die Kinder.“ Seit 1991 lädt die Evangelische Landeskirche Hannovers Kinder aus Weißrussland zu Ferien ein, seit dieser Zeit nehmen auch Gasteltern des Kirchenkreises Hittfeld Kinder auf. Nach einem Abschiedsgottesdienst in der Buchholzer St. Johanniskirche mit Pastor Michael Wabbel fliegen die Kinder am Mittwoch, 29. Juni,  zurück in ihre Heimat.
 
„Es ist so schön hier, meine Gasteltern sind so nett, die Ausflüge waren toll, und ich habe das erste Mal das Meer gesehen“, sagt Arina (9). „Mir gefällt die schöne Natur, alles ist hier in Ordnung, die Leute sind freundlich und ruhig und meine Gasteltern sind toll“, sagt Dima (12). Mit den anderen Kindern, den Gasteltern und Dolmetschern sind sie am Montag im Freibad in Jesteburg gewesen. Bevor es ins kühle Nass ging, sorgten die Gasteltern für ein kindgerechtes leckeres Buffet: „Die Kinder haben in den Freibädern freien Eintritt, wie auch bei unseren gemeinsamen Aktivitäten, etwa in der Fuxis Sport- und Spielscheune in Neu Wulmstorf, beim Reiten bei Hof & Gut in Itzenbüttel und beim Kegeln und Klettern bei Blau-Weiß Buchholz e.V. Das hilft uns sehr, da sich die ganze Aktion aus Spenden finanziert“, sagt Dieter Leopold, ein Gastvater, der seit vielen Jahren dabei ist.
 
„Wir brauchen in jedem Jahr Spenden für diese Aktion, schon allein für die einwöchige Reise nach Büsum an die Nordsee“, sagt Barbara Schubert, Kirchenvorsteherin aus Jesteburg. Die Fahrt an die Nordsee ist aufgrund der jodhaltigen Luft enorm wichtig für die Kinder. „Die radioaktive Belastung im Körper der Kinder nimmt messbar ab. Dieses Projekt zeigt, wie wichtig nachhaltige Hilfe ist bei allen auch anderen aktuellen Herausforderungen“, sagt Pastor Jürgen P. Stahlhut, Tschernobyl-Beauftragter des Kirchenkreises. Barbara Schubert nimmt seit 2002 Kinder bei sich auf, in diesem Jahr sind Maxim (9) und Nicolai (10) zu Gast. „Uns geht es doch gut, da kann man gern etwas abgeben. Das Zusammenleben mit den Kindern ist einfach, die beiden spielen nach dem Frühstück, entweder steht dann ein Ausflug an oder ich gehe mit ihnen auf den Spielplatz oder in den Tierpark. Und die Gemeinschaft der Gasteltern ist sehr nett, jeder springt auch einmal für den anderen ein. Die Betreuung ist nur schwierig, wenn man ganztägig berufstätig ist, da man sich doch schon um die Kinder kümmern muss“, sagt Barbara Schubert. Auch für das nächste Jahr werden Gasteltern gesucht.

Carolin Wöhling, Pressesprecherin Kirchenkreis Hittfeld

Tschernobyl – 30 Jahre danach

Der Reaktorunfall im Atomkraftwerk von Tschernobyl, nahe der ukrainischen Stadt Prypjat am 26. April 1986, erschütterte damals die Menschen in aller Welt. In diesem Jahr, 30 Jahre nach der Katastrophe, ist das radioaktive Cäsium-137 (Halbwertszeit: 30,17 Jahre) und das strahlende Strontium-90 (Halbwertszeit: 28,78 Jahre) erst zur Hälfte zerfallen. Besorgniserregend sind vor allem die weiterhin belasteten Böden und Lebensmittel, die noch auf Jahrzehnte radioaktive Partikel in den menschlichen Körper bringen werden. "Die Opfer von Tschernobyl sind noch nicht einmal alle geboren".
Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wurde ein starker Anstieg von Schilddrüsenkrebs festgestellt. Die Angst irgendwann zu erkranken ist allgegenwärtig. Die psychische Belastung vom "Leben an einem verstrahlten Ort" ist sehr belastend, gerade bei den Kindern.

Carolin Wöhling, Pressesprecherin Kirchenkreis Hittfeld

Ihre Mithilfe

Seit 1991 nimmt der Kirchenkreis Hittfeld in jedem Jahr bis zu 30 Kinder auf.
Um den Kindern den gesundheitlich wichtigen Aufenthalt am Meer und die Ausflüge zu ermöglichen und in jedem Jahr die Tschernobyl-Aktion durchführen zu können, ist der Kirchenkreis Hittfeld dringend auf Spenden angewiesen.
Wer den Ferienaufenthalt der Kinder unterstützen möchte, kann einen Betrag spenden:
Spendenkonto: DE69 2075 0000 0007 0066 12
Sparkasse Harburg-Buxtehude
Verwendungszweck: Kinder aus Weißrussland