Diakoniepräsident Lilie für schärfere Fehlerkontrollen in Kliniken

Nachricht 27. Juni 2016

Berlin (epd). Angesichts der Mordserie durch einen Krankenpfleger in
zwei niedersächsischen Kliniken hat der Präsident der Diakonie
Deutschland, Ulrich Lilie, für klare Verantwortlichkeiten im Umgang
mit Auffälligkeiten plädiert. Lilie sagte dem Evangelischen
Pressedienst (epd) in Berlin, eine Kontrolle müsse auf allen
Hierarchie-Ebenen im Krankenhaus gesichert sein. Zugleich habe jeder
Fall aber auch ein tragisches Moment: «Es gibt keine
hundertprozentige Sicherheit gegen solche Menschen.»

   Der Diakoniechef warb für einen offenen Umgang mit Fehlern. Dafür
sei eine Atmosphäre kollegialen Vertrauens notwendig aber auch
genügend professionelle Distanz, um Auffälligkeiten wahrzunehmen und
Fehler zu besprechen. «Und dann muss man der Sache auf den Grund
gehen», sagte Lilie, «ohne Ansehen der Person.» Es reiche nicht, eine
Nachfrage zu stellen und sich mit einer ersten Antwort
zufriedenzugeben. Zugleich müsse klar sein, dass niemand befürchten
müsse, wegen eines Fehlers sofort ins Abseits gestellt zu werden.

   In Niedersachsen zeichnet sich die größte Mordserie eines
Einzelnen in der deutschen Nachkriegsgeschichte ab. Der bereits wegen
mehrfachen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilte Krankenpfleger
Niels H. hat weitere Morde gestanden. Die Polizei untersucht bis zu
200 Fälle in Delmenhorst und Oldenburg. Exhumierungen Verstorbener
ergaben bisher in 27 weiteren Fällen einen Mordverdacht.

   H. beging die Taten, für die er verurteilt wurde, zwischen 2002
und 2005 in Delmenhorst. Vorher hatte er in Oldenburg gearbeitet. Er
hatte Patienten ein Medikament gespritzt, das zu Herzversagen führt,
um seine Fähigkeiten bei der Reanimation unter Beweis zu stellen.

   Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen auch gegen drei
Verantwortliche der Oldenburger Klinikleitung und fünf des
Delmenhorster Krankenhauses wegen Totschlags durch Unterlassung. In
Oldenburg war die Zahl der Todesfälle nach Reanimationen in H.'s
Dienstzeit um das Dreifache gestiegen. In Delmenhorst verfügte die
Klinikleitung nach Auffassung der Staatsanwaltschaft seit 2003 über
entsprechende Hinweise.

epd Landesdienst Niedersachsen-Bremen