Landesbischof Meister warnt nach Brexit-Entscheidung vor Schuldzuweisung

Nachricht 26. Juni 2016

epd-Gespräch: Karen Miether

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat nach der Brexit-Entscheidung Großbritanniens vor Schuldzuweisungen und harschen Worten in Richtung der Briten gewarnt. "Bei aller Trauer und Bestürzung müssen wir den demokratischen Willen der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen", sagte der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen im Niedersachsen am Freitag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Nach dem Votum für einen Austritt aus der Europäischen Union sei es wichtig, auf allen Ebenen weiterhin Brücken nach Großbritannien zu schlagen und Begegnungen zu pflegen. "Wir müssen den Dialog darüber weiterführen, was ein Miteinander in Europa bedeutet", unterstrich der Bischof.

Meister reist in der übernächsten Woche ins britische York, wo er vor der Synode der anglikanischen Kirche ein Grußwort sprechen wird. Die ohnehin geplante Reise bekomme für ihn jetzt noch einen anderen Stellenwert, sagte er. Es gebe eine enge Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und den Anglikanern, die auch für ein gemeinsames Wertefundament stehe. "Das ist ein grenzüberschreitender Brückenschlag, der jetzt noch wichtiger ist als zuvor."

Die EU sei ein Garant für eine große Friedensgemeinschaft, sagte der Bischof. "Dies ist mit einem Austritt der Briten auch nicht gefährdet." Die von den Brexit-Befürworter beschworene Freiheit für nationale Entscheidungen bei einem Austritt aus der EU sehe er aber kritisch. "Es besteht die Gefahr, dass es auf der anderen Seite dieser Medaille einen erbärmlichen Nationalismus gibt." Er betrachte mit Sorge, wie sich auch in anderen europäischen Staaten Nationalismus und rechte Strömungen breit machten.

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