Theologe Kaufmann kritisiert beim Generalkonvent das Reformationsjubiläum

Nachricht 08. Juni 2016
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Kirchenhistoriker Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Göttingen); Bild: epd-bild

Northeim (epd). Der Göttinger Theologieprofessor Thomas Kaufmann hat die Vorbereitungen zum anstehenden 500-jährigen Reformationsjubiläum kritisiert. Die Vermittlung von einem wissenschaftlichem Reformationsbild für die allgemeine Öffentlichkeit sei gescheitert, sagte der evangelische Theologe am Mittwoch beim Generalkonvent des Sprengels Hildesheim-Göttingen in Northeim. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sei weder willens noch imstande, eine differenzierte und "nicht langweilige Perspektive" auf die Reformation zu werfen, sagte er laut Redemanuskript.

Von vornherein hätten die Initiatoren zwischen drei Aspekten unterscheiden müssen, betonte Kaufmann: Die Reformation zu erforschen, ihrer zu gedenken und sie schließlich zu feiern. In einem öffentlichen Gedenken hätte etwa die Idee des allgemeinen Priestertums der Gläubigen und die erstmalige Beteiligung von Laien in der Kirche Interesse für die Reformation wecken können, betonte Kaufmann. Diese Bewegung habe viele andere Reforminitiativen für Laien begründet. "In Gestalt bestimmter Wahlrechte in Kirchenversammlungen, durch Mitbeteiligung an der Verteilung der Gelder nahmen Laien schon im konfessionellen Zeitalter aktiver an Aufgaben der kirchlichen Verwaltung teil, als dies in der Regel vor der Reformation möglich gewesen war."

Die Bibelübersetzung Martin Luthers habe zudem eine gewaltige Zahl an nationalsprachlichen europäischen Bibelübersetzungen angeregt, die als Folge der Reformation erschienen seien. Die kulturelle Vielfalt Europas wurzele in Entwicklungen, die mit der Reformation zusammenhingen. Die Reformation habe die Spaltung Europas nicht verursacht, wie zuletzt katholische Historiker und Theologen behaupteten, sondern diese Entwicklung eher beschleunigt, betonte Kaufmann. "Die Einheit des sogenannten christlichen Abendlandes war schon um 1500 ein ideologisches Konstrukt."

Zum Generalkonvent waren rund 320 Pastorinnen und Pastoren gekommen. Der Sprengel Hildesheim-Göttingen erstreckt sich von Hann. Münden bis nach Peine und vom Harz bis an die Weser. Er umfasst neun Kirchenkreise mit rund 500.000 Mitgliedern in etwa 390 Gemeinden.

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