Diakoniepastor: Fahrräder sind Integrationshelfer für Flüchtlinge

Nachricht 29. Mai 2016

Hannover (epd). Der hannoversche Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes hat die Bedeutung von Fahrrädern für Flüchtlinge unterstrichen. "Mobilität ist entscheidend für die Integration", sagte er am Freitag bei der Präsentation eines Flüchtlingsprojektes in Hannover. Der öffentliche Nahverkehr sei nicht günstig. Mit den Rädern könnten die Flüchtlinge flexibel zu Sprachkursen, Freunden oder ins Jobcenter fahren. Das Projekt trage darüber hinaus dazu bei, dass die Flüchtlinge beschäftigt würden. "Die Menschen, die zu uns kommen, wollen gestalten, mitwirken und etwas tun."

Das evangelische Flüchtlingsnetzwerk Hannover, Garbsen und Seelze fördert seit zwei Monaten mit einer mobilen Fahrradwerkstatt die Unabhängigkeit und Mobilität von Flüchtlingen. Ehrenamtliche Helfer führen regelmäßig mit einem Transporter gespendeter Fahrräder und Zubehör zu Flüchtlingsunterkünften und Kirchengemeinden, sagte der Koordinator der Werkstatt, Johannes Meyer. Dort machten sie an drei Tagen pro Woche zusammen mit Flüchtlingen kaputte Räder wieder fahrtüchtig oder reparierten platte Reifen oder defekte Fahrradlichter.

Das Projekt erfahre große Resonanz unter den Flüchtlingen, betonte Diakon Meyer. Sie lernten nicht nur, wie sie Fahrräder in Schuss hielten oder reparierten, sondern ganz nebenbei auch die Verkehrsregeln in Deutschland. Für die Ehrenamtlichen biete das Projekt Gelegenheit, außerhalb von Sprachkursen und Arztbesuchen über das Handwerk mit Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen. Zunehmend kämen auch Geringverdiener und Senioren, die sich keine teure Reparatur im Fahrradladen leisten könnten, mit ihren kaputten Fahrrädern zu ihnen. So sei ein echter Ort der Begegnung entstanden.

Bisher bediene die mobile Fahrradwerkstatt Unterkünfte in Vahrenwald, Stöcken und Groß-Buchholz, hieß es. Weitere Stationen in Bemerode und auf dem ehemaligen Expo-Gelände seien geplant. Dafür benötigten die bisher 15 ehrenamtlichen Helfer jedoch noch Unterstützung. Auch Fahrradspenden seien willkommen.

Das evangelische Flüchtlingsnetzwerk Hannover, Garbsen und Seelze wurde 2015 vom Stadtkirchenverband und dem Diakonischen Werk Hannover gegründet. Es soll die Integration von Flüchtlingen unterstützen und den Einsatz ehrenamtlicher Helfer koordinieren.

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