Hannoversche Landessynode will Moratorium beim Fracking

Nachricht 27. Mai 2016
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Bild: Jens Schulze

Hannover (epd). Die hannoversche Landessynode hat sich am Freitag gegen das umstrittene Fracking zur Förderung von Erdgas ausgesprochen. "Die Bundesregierung wäre aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation in der Lage, kurz und mittelfristig auf die Förderung von Fracking-Gas zu verzichten", sagte die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bettina Siegmund, bei der Tagung der Synode in Hannover. Um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und das heute nicht benötigte Gas für spätere Generationen zu bewahren, sollten mittelfristig keine Fracking-Vorhaben genehmigt werden.

Das Kirchenparlament der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers befasste sich erstmals mit dem Thema. Es griff damit Anträge des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in Lüneburg und des evangelischen Kirchenkreises Rhauderfehn auf. Im Gebiet des Kirchenkreises wurde den Angaben zufolge bereits Erdgas gefördert - auch durch Fracking. Weil Niedersachsen besonders viele Erdgasvorkommen hat, könnten auch Kirchengemeinden als Landeigentümer gefragt sein, sich mit dem Thema zu befassen, sagte Siegmund.

Die Landessynode griff deshalb Forderungen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nach klaren Regelungen für das Fracking auf. Obwohl der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung strenge Auflagen vorsehe, gebe es dabei noch Lücken, sagte Siegmund. Dem hohen Aufwand und den ungeklärten Risiken stehe derzeit keinerlei volkswirtschaftliche Notwendigkeit gegenüber.

Der Gesetzesentwurf aus dem vergangenen Jahr sieht eine strengere Regelung als bislang für das seit Jahrzehnten praktizierte Fracking in tiefem Sandstein vor. Das unkonventionelle Fracking in viel härterem Gestein oberhalb von 3.000 Metern Tiefe soll grundsätzlich untersagt werden. Wissenschaftliche Probebohrungen bleiben allerdings nach Beurteilungen einer Expertenkommission erlaubt. Eine Abstimmung über den umstrittenen Gesetzentwurf hat es aber im Bundestag bisher noch nicht gegeben.

Niedersachsen lehnt die Erdgasförderung aus unkonventionellen Lagerstätten wie Schiefergestein ab, das gilt auch für Probebohrungen. Die Erdgasförderung soll wie bereits seit vielen Jahrzehnten weiter nur aus tiefem Sandgestein erfolgen. Allerdings bei deutlich verschärften Auflagen.

Beim Fracking handelt es sich um eine Methode der Förderung von Erdgas und Erdöl, das fest im Gestein eingeschlossen ist. Um den Rohstoff zu lösen, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Tiefe gepumpt, um das Gestein aufzubrechen. Gas und Öl können dann entweichen.

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