Militärbischof fordert Diskussion über "gerechten Frieden"

Nachricht 26. Mai 2016
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Sigurd Rink, evangelischer Militärbischof. Bild: Rolf Zöllner/epd-bild 

Rastede/Kr. Ammerland (epd). Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink hat eine gesellschaftliche Diskussion über einen "gerechten Frieden" in der Welt gefordert. Die Lehren aus zwei Weltkriegen, der nuklearen Bedrohung und dem "Wunder der friedlichen Revolution" in Deutschland machten deutlich, dass es keinen gerechten Krieg, sondern nur einen gerechten Frieden geben dürfe, sagte er am Donnerstag in Rastede bei Oldenburg. Der Theologe war Gastredner beim Thementag "Friedensethik" der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg.

Wer einen gerechten Frieden wolle, dürfe bei Konflikten nicht aufgrund eines gefühlten Handlungsdrucks sofort den Blick auf die Bedingungen militärischen Handelns richten. Vielmehr müsse geprüft werden, was notwendig ist, um im Frieden zu leben. Dies sei eine grundlegend andere Sichtweise, erläutere Rink: "Das Bild vom gerechten Frieden weitet damit die Perspektive über akute Interventionen hinaus für eine nachhaltige Friedenssicherung und damit ein vernetztes Sicherheitsverständnis."

Frieden, Recht und Gerechtigkeit müssten dabei stets zusammen gedacht werden, unterstrich der Militärbischof. Grundlegend sei dabei die Achtung der Menschenwürde. Deren Mindeststandards seien in den Menschenrechten verankert. Dazu gehörten das Recht auf Leben, der Schutz vor Demütigung, die Gewährleistung des materiellen und sozialen Existenzminimums, der Schutz vor Diskriminierung und die Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Außerdem müsse für den gerechten Frieden in einer globalisierten Welt die internationale Rechtsordnung ausgebaut werden. "Nicht das Recht des Stärkeren darf bestimmend sein, sondern die Stärke des Rechts", sagte Rink. Zivile und gewaltfreie Mittel müssten bei der Konfliktbearbeitung immer den Vorrang haben.

Lediglich als "Ultima Ratio", als allerletztes Mittel zum Schutz von Menschen, sei der internationale Einsatz von Militär zu rechtfertigen, unterstrich Rink. Das Militär könne keine Probleme lösen. Darum sei der Einsatz militärischer Gewalt "immer verbunden mit Schuld und Versagen von Politik und einzelnen Menschen". Auch aktive Soldaten spürten dies. "Der Mensch ist einfach nicht zum Kriegführen gemacht."
 

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