Willkommenskultur muss bleiben

Nachricht 22. Mai 2016
Arend de Vries
Arend de Vries

Hannover (epd). Ein Ende der Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen in Deutschland darf es nach Ansicht des Geistlichen Vizepräsidenten im hannoverschen Landeskirchenamt, Arend de Vries, nicht geben. "Die Willkommenskultur, mit der wir Schutzsuchen begegnen, ist eine Haltung", schreibt der leitende Theologe in einem Gastbeitrag in der hannoverschen Ausgabe der "Evangelischen Zeitung" vom Wochenende. "Das äußert sich in dem hohen Engagement für Menschen aus Ländern mit Terror, Verfolgung und Vergewaltigung, die bei uns ankommen."

De Vries stimmte in die Kritik an Worten des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) ein. Der Regierungschef hatte einem Medienbericht zufolge gesagt, mit der Vereinbarung zwischen dem Bund und Bayern über weitere Grenzkontrollen sei "das Ende der Willkommenskultur notariell besiegelt". De Vries betonte: "Keinem Politiker, gleich welcher Couleur, steht es zu, eine menschliche und zutiefst christliche Haltung für beendet zu erklären."

Eine Willkommenskultur bedeute, die Flüchtlinge menschlich zu empfangen, sie keinen neuen Diskriminierungen auszusetzen, ihnen zu ermöglichen, Deutsch zu lernen und ihren Glauben frei zu leben. Mitglieder der Kirche, Mitarbeitende in den Gemeinden und der Diakonie, aber auch viele andere zeigten einen großen Einsatz. Sie veränderten damit auch das Bild, das andere von Deutschland hätten.

Nicht alle, die ins Land gekommen seien, könnten bleiben. Die Entscheidung darüber werde rechtsstaatlich getroffen, schreibt der Vizepräsident. "Aber wir Menschen, gerade auch wir Christen, gestalten die Kultur, die bei uns herrscht, mit der wir Schutzsuchenden begegnen."

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