Mottolied für den Deutschen Evangelischen Posaunentag 2016 kommt aus der Landeskirche

Nachricht 21. Mai 2016
Liedermacher_LotharVeit
Gitarre und Stift sind seine Werkzeuge: Liedermacher Lothar Veit. Foto: Jan Fuhrhop

Hameln/Dresden. Bläserinnen und Bläser aus ganz Deutschland kommen vom 3. bis 5. Juni beim Deutschen Evangelischen Posaunentag in Dresden zusammen. Unter dem Motto „Luft nach oben“ ist es das größte BläserInnentreffen weltweit. Rund 20.000 Menschen werden nicht nur gemeinsam spielen, sondern auch singen. Und die Textvorlage für das offizielle Mottolied des Posaunentags kommt aus Hameln. Der Liedermacher Lothar Veit hat sie geschrieben.

An seinem Arbeitsort Hildesheim kennt man Lothar Veit in erster Linie als genau beobachtenden und stilsicheren Redakteur der Wochenzeitung „Kehrwieder am Sonntag“. Doch lange bevor er Journalist geworden ist, hat der gebürtige Peiner schon in Kirchenbands gespielt und eigene Lieder geschrieben. Seit vielen Jahren textet er Songs für die Evangelischen Kirchentage, 2012 hat er seine Debüt-CD „Widerworte“ veröffentlicht, sein Liederbuch im Strube-Verlag trägt denselben Titel.

Seit April dieses Jahres wohnt Veit in Hameln. Aufgewachsen ist er im 2500-Einwohner-Ort Gadenstedt zwischen Hildesheim und Braunschweig. Dort hat er sich früh in der evangelischen Jugendarbeit engagiert. Als der Pastor eine Band gründete, stieg er als Sänger und Gitarrist ein. Daneben häuften sich immer mehr Ehrenämter an: im Gemeindevorstand und im Kirchenkreistag, als Vorsitzender der evangelischen Landesjugendkammer, in Gremien des Kirchentags, als Jugenddelegierter in der EKD-Synode – um nur einige zu nennen.

Das alles führte er auch noch neben seinem Studium der Literaturwissenschaft, Linguistik und Politikwissenschaft weiter. Doch mit dem Beginn eines journalistischen Volontariats in Magdeburg machte er einen Schnitt und gab sämtliche Ehrenämter ab. Nur seinen zwei liebsten Freizeitbeschäftigungen ist er bis heute treu geblieben: dem Tischtennis bei seinem Heimatverein SV Anker 06 Gadenstedt. Und dem Liederschreiben.

Seit 20 Jahren ist er Mitglied der losen TexterInnen- und KomponistInnengruppe „Takt“, die sich einmal im Jahr trifft, um eine Woche lang an Texten und Tönen zu feilen. Hier ist ein Großteil von Lothar Veits Stücken entstanden. 2004 wurde er erstmals zu den Liederwerkstätten für den Deutschen Evangelischen Kirchentag eingeladen – seither hat er zu fast jedem Kirchentagsliederbuch einen Beitrag geliefert. Auch im Liederheft für den Kirchentag zum Reformationsjubiläum 2017 in Berlin und Wittenberg werden sich drei Texte von ihm finden, darunter eines der Mottolieder „Du siehst mich“ und ein Lied über „Zachäus“, das in Zusammenarbeit mit dem Wise-Guys-Sänger Eddi Hüneke entstanden ist. Gesungen haben seine Lieder in den zurückliegenden Jahren immer nur andere – bis er sich 2014 endlich aufmachte, um mit Band auf Tour zu gehen und die Songs so zu spielen, wie sie in seinem eigenen Kopf klingen.

Er brauche Zeit und Ruhe, um seine Lieder zu schreiben, erzählt der 42-Jährige: „Ich kann nicht von der Arbeit nach Hause kommen und nach Feierabend noch einen Text schreiben.“ Zumal er großen Wert darauf legt, nicht in die Klischee-Falle zu tappen und mit den typischen Floskeln zu arbeiten, die man in neueren Kirchenliedern immer wieder findet. Alltagsthemen, Umwelt, Gewalt und Rassismus, Glaube und auch Zweifel spiegeln sich in seinen Liedern wieder. „Gott gab dem Menschen Verstand. Den soll er bitte gebrauchen – und nicht Gott die Schuld geben“, sagt Lothar Veit.

Diese Überzeugung prägt auch seinen Motto-Song für den Evangelischen Posaunentag, zu dem der rheinische Kantor Martin Bambauer die Musik komponiert hat. „Mit unserm Atem loben wir / dich, Gott, ein Leben lang. / Doch manchmal schleicht ein falscher Ton / sich in den Gottesklang. / Wer übertönt das Lob mit Zorn? / Und wer stößt noch ins gleiche Horn?“, heißt es da zum Beispiel. Die beiden Schlusszeilen von „Luft nach oben“ wirken wie die Zwischenbilanz seines Schaffens als Liedermacher: „Wir müssen ausposaunen, worüber wir so staunen.“

Kultur und Kommunikation/Ralf Neite