Bischöfe rufen zum Dialog auf - Pfingsten als Symbol für Völkerverständigung

Nachricht 16. Mai 2016

Hannover (epd). Mit einem Blick auf die politischen Entwicklungen der jüngsten Zeit haben Niedersachsens evangelische Bischöfe die Pfingstbotschaft ausgelegt. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister warnte am Pfingstsonntag in seiner Predigt vor neuen nationalen Abschottungen. "Mit Sorge sehe ich eine politische Strömung, die sich auf das christliche Abendland beruft und es dazu nutzen will, Menschen in Not die Aufnahme zu verweigern", sagte er Stephansstift in Hannover.

Die biblische Erzählung vom Pfingstwunder, in der alle Sprachbarrieren durch den Heiligen Geist überwunden wurden, sei "ein befreiender Gegenentwurf zu dem, was wir heute erleben". In der Pfingstgeschichte gehe es um das Gemeinsame jenseits von Herkunft und Religion, betonte Meister. "Darin ist das Pfingstfest revolutionär: vereinte Verschiedenheit ohne Feindschaft und ohne Gewalt."

Der oldenburgische Bischof Jan Janssen betonte am Montag in der St. Lambertikirche, Pfingsten lehre, die Menschen zu verstehen. Das bedeute sowohl einander beizustehen als auch neue Standpunkte durchzustehen und alten zu widerstehen. Vor allem lehre Pfingsten, sich neu aufs Leben zu verstehen: "Verstehen heißt, sich solidarisch und hilfreich anderen Menschenkindern an die Seite zu stellen."

Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher, mahnte, in Kirche und Gesellschaft redeten möglicherweise Regierende und Regierte, die etablierten Parteien und die Wutbürger, die verschiedenen kulturellen und sozialen Milieus aneinander vorbei. "Wir haben in unserer Kirche wie in unserer Gesellschaft vielfach die Fähigkeit verloren, einander verständlich zu machen", sagte er am Sonntag in einem ökumenischen Gottesdienst an der Klosterstätte Ihlow bei Aurich.

Auch in der Kirche pflegten manche die "Kunst der Abgrenzung und der gegenseitigen Abwertung", sagte der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns am Pfingstsonntag im Braunschweiger Dom. Oft stehe dahinter die Angst vor dem Verlust von Macht oder Geld, die Angst vor Überforderung oder dem Verlust von Heimat und Identität, oder auch die Angst, dass eigene Schwächen sichtbar werden. Diese Angst dürfe allerdings nicht zum Verlust der Handlungsfähigkeit führen.

An Pfingsten feiern Christen das Kommen des Heiligen Geistes. Es ist das dritte Hauptfest im Kirchenjahr nach Weihnachten und Ostern. Pfingsten gilt als "Geburtstag der Kirche" und Beginn der weltweiten Mission.

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