"Wirtschaft muss sich mehr an Menschen orientieren"

Nachricht 11. Mai 2016
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Birgit Klostermeier. Bild: EMSZ/ Diana Schild

Osnabrück (epd). Die Osnabrücker Regionalbischöfin Birgit Klostermeier hält auf lange Sicht einen Wandel der rein auf Rendite und Profit ausgerichteten kapitalistischen Wirtschaftsform für notwendig. "Wir brauchen langfristig andere Konzepte des Wirtschaftens, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und an Gemeinschaft und einer Bedarfsgerechtigkeit orientiert sind", sagte die evangelische Landessuperintendentin am Mittwoch dem epd.

Die solidarische Ökonomie sei rein an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Das funktioniere etwa nach dem Prinzip der Genossenschaften, in Tauschringen oder sogenannten Umsonst-Läden. "Ich bewundere die Unerschrockenheit derer, die ihr Leben sehr konkret darauf umstellen und dabei viele Unsicherheiten in Kauf nehmen", betonte Klostermeier nach einem Workshop der evangelischen Familienbildungsstätte: "Es macht Mut, von deren Erfahrungen zu hören." Für diese Menschen stünden Werte wie Nachhaltigkeit, Ökologie und gegenseitige Hilfe im Vordergrund und nicht Gewinnmaximierung, Markt und Wachstum.

Der Workshop war die erste Station in der Reihe "Sprengelfrüchte", die Klostermeier ins Leben gerufen hat. In jedem Jahr werde sie künftig mehrere kirchliche Initiativen in den Regionen Osnabrück und Diepholz besuchen, um sie der Öffentlichkeit bekanntzumachen. Bis Oktober stehe das Programm unter dem Motto der Jahreslosung "Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet". Sie werde Initiativen bereisen, die die Themen Trost und Frauen in den Mittelpunkt rückten.

Dazu gehört etwa eine vom evangelischen Frauenwerk organisierte Familienfreizeit für alleinerziehende Mütter. Außerdem will die Theologin nach eigenen Angaben mit Flüchtlingshelfern in Weyhe und Osnabrück sprechen sowie mit Jugendlichen, die eine Sommerfreizeit für Konfirmanden vorbereiten. Sie werde mit der Seelsorgerin Thekla Röhrs ins Gespräch kommen, die im Kinderhospiz "Löwenherz" in Syke sterbenskranke Kinder und deren Eltern betreut. Eine weitere Station ist die Bonnuskirche in Osnabrück, in der Pastorin Doris Jäger Meditationsgottesdienste für Senioren anbietet. 

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