Religionen in Hannover besorgt über Anti-Islam-Kurs der AfD

Nachricht 09. Mai 2016
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Bild: Rat der Religionen

Hannover (epd). Der Rat der Religionen hat sich besorgt und bestürzt über den scharfen Anti-Islam-Kurs der AfD geäußert. "Wir nehmen mit Sorge Entwicklungen wahr, die den Zusammenhalt unserer Gesellschaft gefährden", teilten der katholische Propst Martin Tenge und die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Die Religionsgemeinschaften machten sich große Sorgen über das Ansehen von Muslimen, die schon seit Generationen friedlich in Deutschland lebten und dieses Land aktiv mitgestalteten. Die aktuelle Suche nach Lösungen für das Flüchtlingsthema dürfe nicht von Ängsten über eine "Islamisierung" überlagert werden.

Der Rat der Religionen wisse zwar um radikalisierte Formen der Religion im Islam, aber auch etwa im Christentum. "Wir wissen aber auch um die friedensstiftende und integrationsfördernde Kraft aller Religionen", betonen Tenge und Mohagheghi. Beunruhigend sei, dass der Anti-Islam-Kurs der AfD "offenbar von nicht unerheblichen Teilen der Bevölkerung latent geteilt wird". Die deutsche Gesellschaft müsse und werde sich weiterentwickeln, heißt es in der Stellungnahme: "Sie kann nicht zurück zu einem Bild ohne andere Kulturen und Religionen."

Die rechtskonservative AfD hatte vor anderthalb Wochen bei ihrem Bundesparteitag einen strikten Anti-Islam-Kurs im Grundsatzprogramm festgeschrieben. Darin heißt es: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland." Die Partei schlägt unter anderem vor, Minarette und Muezzinrufe zu verbieten.

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