Regionalbischof Rathing fordert mehr Offenheit gegenüber Straftätern

Nachricht 03. Mai 2016
rathing-lueneburg
Dieter Rathing

Springe (epd). Der Lüneburger Regionalbischof Dieter Rathing hat mehr Offenheit und Hilfsbereitschaft gegenüber Straftätern gefordert. Manchmal liege nicht viel dazwischen, ob jemand Gutes oder Böses tue, sagte der Landessuperintendent des Sprengels Lüneburg einer Mitteilung der Christlichen Straffälligenhilfe von Mittwoch zufolge. Bei der Jahrestagung des "Schwarzen Kreuzes" in Springe hatte er an die biblische Geschichte von Kain erinnert, der seinen Bruder Abel erschlug. Jeder Mensch sei ein möglicher Straftäter. Diese Erkenntnis könne dazu führen, dass Menschen Straftätern mit mehr Einfühlungsvermögen begegneten.

Der Beauftragte für Gefängnisseelsorge der hannoverschen Landeskirche, Friedrich Schwenger, kritisierte den Umgang mit Schuld und Vergebung im deutschen Strafvollzug. Wenn ein Straftäter seine Jahre im Gefängnis absitze, seien damit keine Beziehungen geheilt und keine Schuld vergeben. Er plädierte für die Einführung des in Deutschland bisher weitgehend unbekannten Prozesses der "restorative justice", einem Wiedergutmachungsverfahren. Parallel zur Haft könnten Täter und Opfer so über verschiedene Formen in den Dialog treten.

Das "Schwarze Kreuz" wurde 1925 vom einstigen Strafvollzugspräsidenten, Johannes Muntau, in Celle gegründet. Heute betreuten rund 500 Ehrenamtliche in ganz Deutschland Gefangene und ihre Angehörigen während und nach der Haft. Sie halten Briefkontakt, besuchen die Inhaftierten oder organisieren Veranstaltungen im Gefängnis. Unter dem Motto "Nächstenliebe befreit" wollen sie den Verurteilten zu einem straffreien Leben verhelfen und gleichzeitig andere Menschen vor neuen Straftaten schützen. 

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