Landessozialpfarrer wirbt am 1. Mai für Sonntagsschutz

Nachricht 30. April 2016

Hannover (epd). Der hannoversche Landessozialpfarrer Michael Klatt hat in einem Gottesdienst zum 1. Mai dazu aufgerufen, den Sonntag als Ruhetag zu schützen. Einer Kommerzialisierung des Sonntags müsse entschieden entgegengetreten werden, sagte der evangelische Theologe in der hannoverschen Marktkirche. "Ruhe ist nicht der Gegensatz zur Arbeit, sondern ihre notwendige Ergänzung."

Natürlich gebe es gesellschaftlich notwendige Arbeit an Sonntagen, beispielsweise in Krankenhäusern, der Landwirtschaft, der Polizei, der Gastronomie und auch in den Kirchen, sagte Klatt laut Predigtmanuskript. Es sei aber ein "Alarmsignal", dass die Zahl der am Sonntag arbeitenden Menschen in den vergangenen Jahren von sieben auf elf Millionen angestiegen sei. Die Arbeit in sogenannten Call-Centern aber auch die verkaufsoffenen Sonntage trügen dazu bei.

Der Preis für die Beschäftigten, die am Sonntag arbeiten müssten, sei hoch und der Umsatz der Geschäfte steige erwiesenermaßen nicht, kritisierte Klatt. Verbraucher hätten aber Möglichkeiten, den grundgesetzlichen Schutz des Sonntags durchzusetzen: "Einkaufen gehen, das kann man an jedem beliebigen anderen Tag der Woche auch, mittlerweile fast rund um die Uhr."

In der Arbeitswelt gebe es zudem eine zunehmende Verdichtung und Leistungsanforderung, kritisierte Klatt. Dazu komme der steigende Konkurrenzdruck und in den Betrieben schon auf mittleren und untereren Ebenen eine höhere Verantwortung. "Erschöpfung, körperliche wie psychische, sind nicht selten die Folgen."

Weniger im Bewusstsein sei, dass auch ausreichend Pausen und Ruhezeiten unmittelbar zur Arbeit gehörten. Der Mensch sei mehr als ein Kostenfaktor und es müsse Zeiten geben, in denen er wirtschaftlichen Interessen entzogen werde, mahnte der Theologe: "Nicht die Märkte, sondern die Menschen sollen frei werden."

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