Religionsvertreter warnen vor Überwachung von Moscheen

Nachricht 29. April 2016

Hannover (epd). Niedersächsische Religionsvertreter haben nach dem Vorstoß von Unionsfraktionschef Volker Kauder vor einer flächendeckenden Überwachung von Moscheen gewarnt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine verdachtsunabhängige Kontrolle, die außerdem kaum der Meinungs- und Religionsfreiheit standhalten dürfte, die Verfassungstreue stärken wird", sagte der evangelische Landesbischof Ralf Meister der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Sonnabendausgabe). Auch der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden, Michael Fürst, äußerte sich kritisch. Eine konsequente Überwachung von Moscheen wäre "weit überzogen", sagte Fürst der Zeitung.

Die Geschäftsführerin der Ditib-Gemeinden, Emine Oguz, mahnte, dass sich ein solcher Generalverdacht bis in Schulen und Kindergärten auswirke: "Das vergiftet das gesamte Klima", sagte Oguz der HAZ. Durch flächendeckende Beobachtung wie zu Zeiten des früheren Landesinnenministers Uwe Schünemann (CDU) sei sehr viel Vertrauen bei den Muslimen kaputtgegangen.

Kauder hatte am Freitag mit der Forderung nach einer Kontrolle von Moscheen in Deutschland die Debatte um den Umgang mit Muslimen in Deutschland neu befeuert. In einigen Moscheen würden Predigten gehalten, die mit dem deutschen Staatsverständnis nicht in Einklang stünden, sagte der CDU-Politiker der "Berliner Zeitung". Der Staat müsse das kontrollieren.

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