Orgelakademie Stade setzt Schwerpunkt auf romantische Furtwängler-Instrumente

Nachricht 13. April 2016

Stade (epd). Instrumente der Romantik stehen im Mittelpunkt des Jubiläumsprogramms der Orgelakademie Stade, zu dem in diesem Jahr Konzerte, Exkursionen, Orgel-Führungen und erneut ein Orgelforum für Jugendliche gehören. "Bereits zum 25. Mal gestalten Kantorinnen und Kantoren die Orgeltage zwischen Elbe und Weser", sagte am Mittwoch Mitorganisatorin Annegret Schönbeck. Zum Auftakt ist schon an diesem Sonnabend an der Arp-Schnitger-Orgel in Cappel bei Cuxhaven ein Konzert geplant, mit dem gleichzeitig der Ankauf des damals gebrauchten Instrumentes für die Gemeinde vor 200 Jahren gefeiert werden soll.

Letzte Konzerte beschließen am Silvesterabend in Cuxhaven und in Osterholz-Scharmbeck das Jahresprogramm. Bis dahin stehen vielerorts die romantisch gestimmten Instrumente des Orgelbauers Philipp Furtwängler (1800-1867) im Mittelpunkt, mit dem weitläufig auch die prominente Schauspielerin Maria Furtwängler verwandt ist. "Den Klang romantischer Orgeln kennzeichnen wunderbar zarte Farben in vielerlei Schattierungen", erläuterte Schönbeck und fügte hinzu: "Sie treten in diesem Jahr nicht nur solistisch, sondern auch als Begleitinstrumente für Gesang, Violine, Klavier oder Blechbläserensemble hervor."

Philipp Furtwängler wurde im badischen Gütenbach geboren, erlernte zunächst das Uhrmacherhandwerk und eignete sich den Orgelbau autodidaktisch an. Von Elze bei Hildesheim aus begann er mit dem Bau von Instrumenten und wurde zu einem der produktivsten Orgelbauer in Niedersachsen. Aus seiner Werkstatt kamen 70 neue Orgeln. Daneben sind 33 Umbauten und Reparaturen bekannt. Seine Werkstatt wurde zunächst von seinen Söhnen und später von Emil Hammer weitergeführt - ein Betrieb, der heute noch bei Hannover besteht.

"Furtwängler prägte im 19. Jahrhundert die Orgellandschaft Niedersachsens", sagte der künstlerische Leiter der Orgelakademie, Martin Böcker. Ausgangspunkt des thematischen Schwerpunktes im Jahresprogramm der Orgelakademie ist so auch der 100 "Geburtstag" der großen Domorgel in Verden, die 1916 von der Werkstatt Furtwängler & Hammer fertiggestellt wurde. Sie zählt Experten zufolge zu den bedeutendsten romantisch-symphonischen Orgeln Norddeutschlands.

Höhepunkte im Programm der Akademie sind zudem Ausflüge zu Orgeln per Bus und Schiff. Die Orgelakademie wurde 2002 als Zentrum zur Förderung der Orgelkultur im Elbe-Weser-Raum gegründet. In der Region gibt es eine Vielzahl bedeutender historischer Instrumente, die noch in Betrieb sind. Sie stammen neben Furtwängler unter anderem von Arp Schnitger (1648-1719), der zu den berühmtesten Orgelbauern der Barockzeit zählt.
 

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