VELKD würdigt päpstliches Schreiben „ Die Freude der Liebe“

Nachricht 09. April 2016
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Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Bild: Agenzia Romano Siciliani

Hannover. In einer ausführlichen Stellungnahme hat der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg), das nachsynodale Apostolische Schreiben von Papst Franziskus, „Amoris Laetitia – Die Freude der Liebe“ als ein „in Ton und Haltung bemerkenswertes und erstaunliches“ Dokument gewürdigt.

Das Schreiben, auf dessen angekündigte Veröffentlichung „die römisch-katholische Welt und die Ökumene“ vor dem Hintergrund der intensiven Beschäftigung mit dem Themenkomplex „Ehe, Familie und Sexualität“ mit „großer Spannung“ gewartet haben, enthalte „großes Potential“ – nicht nur, was das ökumenische Gespräch und Miteinander betreffe, sondern insbesondere auch „ für die Vertiefung des Gespräches zwischen den Kirchen über die gemeinsame Urteilsbildung in brennenden ethischen Fragen“, stellt Bischof Manzke fest.

„Papst Franziskus wirbt für Barmherzigkeit im Umgang mit denen, die hinter dem Anspruch eines schriftgemäßen Ehe- und Familienlebens zurückbleiben oder daran scheitern – und er plädiert zugleich dafür, dass die Kirche in Seelsorge und Lehre die Gewissensbildung der Gläubigen stärker als bisher achtet, fördert und einbezieht“, so der Catholica-Beauftragte. Zwar blieben die römisch-katholische Lehre und die Einheit von Lehre und Praxis nach wie vor in Kraft. Jedoch sei es bemerkenswert, dass Papst Franziskus erneut darauf hinweist, dass „nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen“.

„In ihrer Betonung, dass kirchliche Lehre und pastorales Handeln die Gewissensbildung des einzelnen Gläubigen stärker würdigen und achten sollten, und durch die Aufforderung, die Möglichkeiten pastoralen Handelns vor Ort im Rahmen der Lehre viel stärker zu nutzen“, enthalte die Schrift des Papstes eine Fülle von Anregungen und Fingerzeigen für zukünftige Entwicklungen, hebt Bischof Manzke hervor.

Allerdings sei bedauerlich ist, dass Franziskus‘ Botschaft „frühere Aussagen zu einem erneuerten Verhältnis von zentraler und dezentraler Verantwortung in der römischen Kirche nicht weiter entfaltet. Hier könnten sich ebenfalls fruchtbare ökumenische Perspektiven ergeben.“

Pressemitteilung der VELKD

"Ethik des Mitgefühls statt abstrakter Moral"

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat das Schreiben «Amoris laetitia» (Die Freude der Liebe) zur Familie von Papst Franziskus begrüßt. «Papst Franziskus unterstreicht erneut, dass barmherzige Liebe nicht abstrakten moralischen Normen geopfert werden darf», erklärte der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, am Samstag. Indem sich das Oberhaupt der Katholiken für eine Ethik des Mitgefühls stark mache und selbstkritisch vor kalter Schreibtisch-Moral warne, weise die Schrift weit über das eigene Themenfeld hinaus und könne in dieser Perspektive auch von evangelischen Christinnen und Christen bejaht werden.

In dem am Freitag veröffentlichten Schreiben fordert der Papst die katholische Kirche zu mehr Realismus im Umgang mit Familien auf. Gläubigen müsse mehr Raum für Gewissensentscheidungen gegeben werden. Bedford-Strohm betonte, es gebe in dem Schreiben zwar nirgends eine neue Positionierung in den klassischen Fragen zur Ehescheidung, konfessionsverbindenden Ehen, Homosexualität, Empfängnisverhütung oder Sexualität vor der Ehe. Doch der Papst mahne einen «Geist der Unterscheidung» an. In dem 188 Seiten langen Papier vermied Franziskus konkrete Vorgaben beispielsweise für eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion. Mit Blick auf Homosexuelle forderte er die Katholiken aber auf, solche Lebensweisen
anzuerkennen, die den Partnern Stabilität und Halt geben. Eine Gleichstellung mit der Ehe schloss er jedoch aus.

Der EKD-Ratsvorsitzende zeigte sich beeindruckt vom Diskussionsprozess in den Jahren 2014 und 2015, der dem Schreiben vorausgegangen war. «Die breite und mutige Debatte innerhalb der römisch-katholischen Schwesterkirche haben wir in tiefer ökumenischer Verbundenheit erlebt», sagte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist. «Auch wenn wir als evangelische Christen in manchen ethischen Fragen anders urteilen, können wir den Grundton der Güte und Einfühlsamkeit gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen dankbar mittragen.» In dem Schreiben würden die Dimensionen von Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung, die nach evangelischer Auffassung Ehe und Familie prägten, ein einer Weise
entfaltet, dass auch evangelische Christen dies würdigen könnten. 

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