„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“

Nachricht 22. Januar 2016

Hannover. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat auf seiner Tagung in Breklum die Schwerpunkte seiner Arbeit für das Jahr 2016 festgelegt. Ein Kernthema wird der Umgang mit den Herausforderungen durch die hohe Zahl an Flüchtlingen in Europa sein.

Dabei will der Rat alles in seinen Möglichkeiten stehende tun, um die Empathie gegenüber Schutzsuchenden zu sichern, wie sie auch in der Bergpredigt zum Ausdruck kommt. „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“ (Matthäus 7, Vers 12). Dieses Verständnis werde auch in dem ehrenamtlichen Engagement mehrerer hunderttausend Menschen in den christlichen Kirchengemeinden deutlich. Ausdrücklich dankt der Rat allen, die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen engagieren. „Geben wir die Empathie auf, geben wir die Menschlichkeit auf“, heißt es in einer einstimmig verabschiedeten Stellungnahme. Gleichzeitig setzt sich die EKD für eine gelingende Integration der Zufluchtsuchenden ein. „Integration darf keine Verlierer hervorbringen, weder unter den Flüchtlingen noch unter der einheimischen Bevölkerung“. Für das Bildungswesen sowie den Wohnungs-und Arbeitsmarkt seien ausreichend Ressourcen für alle zu schaffen.

Ausdrücklich unterstützt die EKD die Bemühungen um eine europäische Lösung. „Menschlichkeit kann nur gemeinsam gelingen“, sagt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. „Chancen und Lasten der Aufnahme von Flüchtlingen müssen gemeinsam getragen werden.“ Europa wird auch das Schwerpunktthema der diesjährigen Synodentagung der EKD im November in Magdeburg sein.

Einen weiteren Schwerpunkt für die Arbeit im Jahr 2016 werden außerdem die abschließenden Vorbereitungen für das am 31. Oktober beginnende 500. Reformationsjubiläum bilden. Das aktuelle Themenjahr der Reformationsdekade steht unter dem Motto „Reformation und die Eine Welt“. „Die Situation der Flüchtlinge zeigt uns, wie sehr es die Aufgabe von Christen ist, die Not von Menschen aus anderen Ländern zu sehen und zu lindern“, so der Ratsvorsitzende. Das Jubiläum wird am Reformationstag mit einem Festgottesdienst in der Berliner Marienkirche eröffnet.

Breiten Raum in der diesjährigen Arbeit des Rates wird aber auch der Blick über das Jahr 2017 hinaus einnehmen. Dazu gehören unter anderem die Förderung eines missionarischen Aufbruchs, neue Begeisterung für den Glauben bei jungen Menschen zu wecken und die Ausgestaltung einer sichtbaren Präsenz des evangelischen Glaubens in der Gesellschaft. „Bei den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit wird sich die Kirche auf der Grundlage des Evangeliums und der christlichen Tradition auch in diesem Jahr öffentlich zu Wort melden“, so der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

Der Rat ist neben Synode und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Er wird gemeinsam von Synode und Kirchenkonferenz für sechs Jahre gewählt und besteht aus 15 Mitgliedern. Vorsitzender des bis 2021 gewählten Rates ist der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, stellvertretende Vorsitzende ist westfälische Präses Annette Kurschus. Die Präses der Synode der EKD, Irmgard Schwaetzer, ist kraft Amtes Mitglied des Rates. Weitere Ratsmitglieder sind Bischöfin Kirsten Fehrs, Kirchenpräsident Volker Jung, Bischof Markus Dröge sowie Kerstin Griese, Thomas Rachel, Jacob Joussen, Elisabeth Gräb-Schmidt, Andreas Barner, Stephanie Springer, Michael Diener, Marlehn Thieme und Dieter Kaufmann.

Der Rat hat vom 21. bis 22. Januar auf Einladung der Nordkirche im Christian-Jensen Kolleg in Breklum getagt. Im Anschluss an die Sitzung trifft sich der Rat am selben Ort mit den leitenden Geistlichen der evangelischen Landeskirchen. Die Begegnungstagung, die am Sonntag endet, steht unter dem Motto „Deutschland 2017: konfessionell befriedet, aber religionszerstritten?“. 

EKD-Pressemitteilung Nr. 6/2016

Weitere Informationen

Die Stellungnahme des Rates zur aktuellen Flüchtlings-Situation steht unter auf der Homepage der EKD als Download zur Verfügung.

Zur Stellungnahme