Diakonie hofft auf allgemeinverbindlichen Tarif für Pflege-Azubis

Nachricht 18. Januar 2016

Hannover (epd). Am Donnerstag (21. Januar) entscheidet sich, ob es in Niedersachsen einen für alle Altenpflege-Einrichtungen gültigen Azubi-Tarifvertrag geben wird. "Wir benötigen dringend ganz besonders attraktive Ausbildungsbedingungen, um dem von allen Gutachtern vorausgesagten Fachkräftemangel in der Altenpflege entgegenzutreten", sagte am Dienstag der Vorsitzende des Diakonischen Dienstgeberverbandes Niedersachsen (DDN), Rüdiger Becker, in Hannover. Von der Regelung sind rund 6.700 Auszubildende betroffen.

Auch die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Gewerkschaft ver.di fordern einen allgemeingültigen Tarifvertrag. Die privaten Pflegeanbieter lehnen dies jedoch ab. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) hatte sich für den Vertrag ausgesprochen. In einem ersten Anlauf im Dezember hatte jedoch der mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften besetzte Tarifausschuss für Niedersachsen seine Entscheidung vertagt. Kurz zuvor war im Nachbarland Bremen ein entsprechender Vertrag gescheitert.

DDN-Chef Becker warnte erneut vor einem drohenden Fachkräftemangel. Studien zufolge werde es unter den derzeitigen Bedingungen bereits 2020 nicht mehr genug Personal geben. Bis 2030 fehlten bis zu 50.000 Pflegekräfte. "Es geht darum, sehr schnell die Neigung junger Menschen zur Wahl eines Altenpflegeberufs zu steigern, damit für Menschen, die heute zwischen 50 und 70 sind, genügend qualifizierte Pflegekräfte bereitstehen, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt."

Bereits im Februar vergangenen Jahres hatten Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz und der Paritätische Wohlfahrtsverband zusammen mit ver.di einen Tarifvertrag über die Ausbildungsbedingungen geschlossen. Danach erhalten Azubis in den Wohlfahrtsverbänden zwischen 975 und 1.138 Euro monatlich, so viel wie die Krankenpflegeschüler in öffentlichen Krankenhäusern. Er gilt jedoch nicht bei den privat-gewerblichen Pflegeanbietern, die in Niedersachsen deutlich mehr junge Menschen ausbilden. Becker zufolge zahlen viele private Anbieter Azubis weniger als 600 Euro im Monat.

Für eine Allgemeinverbindlichkeit galt in der Vergangenheit, dass die tarifgebundenen Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Arbeitnehmer beschäftigen. Nach einem neuen Bundesgesetz kann jedoch seit August 2014 ein Vertragswerk für allgemeinverbindlich erklärt werden, wenn ein öffentliches Interesse daran besteht, etwa um die Zukunft einer Branche zu sichern.