Stiftungsdirektor: Reformation hat freiheitliche Rechte begründet

Nachricht 06. Januar 2016
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Stefan Rhein (re.), hier mit dem Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalts, ist Direktor der Stiftung Luthergedenkstaetten Sachsen-Anhalt. Bild: epd-bild/Rolf Zöllner

Lüneburg/Wittenberg (epd). Die Reformation durch Martin Luther (1483-1546) ist nach Ansicht des Wittenberger Stiftungsdirektors Stefan Rhein eine zentrale Etappe auf dem Weg zu den Freiheitsrechten der Menschen gewesen. "Meist haben wir die Vorstellung, dass die Idee, dass jedes Individuum unveräußerliche Rechte besitzt, aus der Politik stammt und das Werk etwa von Revolutionen ist", sagte Rhein am Mittwoch in Lüneburg. "Doch diese Erkenntnis ist nicht zuletzt religiös begründet, ist die Frucht der Reformation." Rhein leitet als Direktor die Stiftung der Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt.

Die von Luther in Anspruch genommene Freiheit des gläubigen Gewissens sei zu einem Ursprung aller Menschenrechte geworden, sagte Rhein laut Manuskript. Zugleich sei die Reformation eine große Bildungsbewegung gewesen und ein erster Aufbruch zur Demokratisierung der Bildung, erläuterte er bei einem Empfang der evangelischen Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede. Die Reformatoren hätten als erste eine Schulbildung für alle gefordert.

Rhein hat seit 2007 die staatliche Geschäftsstelle "Luther 2017" zur Koordination der bundesweiten Aktivitäten des Reformationsjubiläums aufgebaut. Der Thesenanschlag Martin Luthers jährt sich im Oktober 2017 zum 500. Mal. Bereits in diesem Jahr eröffnet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dazu am Reformationstag (31. Oktober) ein Festjahr. Seit 2008 bereiten sich die Protestanten mit einer Lutherdekade auf das Jubiläum vor.

Das Reformationsjubiläum werde auch kontrovers diskutiert, sagte Rhein. Werde das Jahr 1517 als Jahr der Erneuerung des Glaubens gesehen, sei es allerdings zu Recht Anlass zum Feiern. Die Reformation sei kein nationales, sondern ein weltweites Ereignis, betonte er. Heute befänden sich die lebendigsten lutherischen Kirche in Afrika und Asien. Es sei längst nicht mehr zeitgemäß, Luther national oder konfessionell zu vereinnahmen, wie es bei Reformationsjubiläen vergangener Jahrhunderte geschehen sei. 

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